Das umständlich verwickelte Libretto von Guiseppe Foppa ist eine Variante der Genoveva-Legende und handelt, auf seinen Kern reduziert, von einem verzweifelten, von Gewissensqualen geplagten König, der seine Gattin zum Tode verurteilt hat, weil sie von einem eigennützig verliebten Höfling des Ehebruchs beschuldigt wird. Beschützt von ihrem mächtigen Vater kann sich die Königin in einen geheimnisvollen (Schwarz-)Wald flüchten und verstecken, bis es zu kriegerischer Begegnung und schlussendlich zur Aufklärung der Höflings-Intrige und Aussöhnung aller Beteiligten kommt.
Sigismondo, dieser seelisch zerrissene König, wird als Hosenrolle von der Mezzosopranistin Margarita Gritskova unerhört dramatisch gegeben. Dabei steht dem Ensemble-Mitglied der Wiener Staatsoper eine ausdrucksstarke Koloratur-Stimme zur Verfügung, deren Farben vom schauerlich dunklen Wahnsinns-Ausbruch bis zur zärtlichen Liebes-Ansprache reichen. Kühne Koloraturen und mit Verve ausgehaltene Spitzentöne sind auch Markenzeichen der Sopranistin Maria Aleida, die international als „Zauberflöten-Königin der Nacht“ brilliert und in Wildbad mit glockenhellem Timbre in der Partie der zu Unrecht verurteilten Königin Aldimira begeisterte. Kein Wunder, dass die Duette der beiden Solistinnen (je eines in den zwei Akten) zu den Höhepunkten des Opern-abends zählten. Dazu gehörte auch das musikalisch reizvolle Stretta-Quartett, in dem sich zu den beiden Frauenstimmen noch der klangschön klare, ebenfalls koloraturensichere Tenor Kenneth Tarver (als intriganter Höfling Ladislao) und der tiefschwarz dröhnende Bassist Marcell Bakonyi (als Ulderico, Beschützer Aldimiras) hinzu gesellten. Paula Sánchez-Valverde (Ladislaos Schwester) und César Arrieta (Ladislaos Vertrauter) ergänzten die Solo-Gruppe mit charaktervollem Singen und Spiel. Die Wucht der Männer-Chöre, insbesondere der zu Hörnern schmetternde „Chor der Jäger“, gliederte den Wechsel von Arien, Duetten und (von Michele D’Elia am Fortepiano begleiteten) Secco-Rezitativen.
Jochen Schönlebers Inszenierung präsentiert sich leicht und verspielt, der überspannten Traurigkeit der Handlung zum Trotz, und vollzieht sich auf einer von Robert Schrag minimalistisch ausgestatteten, in bläulichen Schimmer getauchten Blackbox-Bühne, deren bewegliche Rückwand-Elemente mit transparenten Folien bespannt sind, die – passend zur Handlung – allerhand Spiegel- und Trugbilder der agierenden Protagonisten bieten. Aus dem von Claudia Möbius zurückhaltend modern kostü-mierten Figuren-Ensemble stechen zwei Akteure hervor – Ladislao im weißen Party-Löwen-Anzug und zeitweise Aldimira mit einem rosafarbenem, von einem Liebestöter unterfütterten Tutu-Kleidchen. All das sind schmückende Beigaben zu einer herrlich schäumenden Musik.
