Jay Gatsby ist dabei der reich gewordene Millionär, von dem keiner weiß, wie er zu seinem Geld gekommen ist. Als er in den Krieg zog, wurde seine angebetete Daisy die Ehefrau von Tom Buchanan (Raymond Very). Der hat ein Verhältnis mit der Frau eines kleinen Garagenbesitzers. Dazu kommen noch der Chronist Nick (John Chest) und die unabhängig mondäne Golferin Jordan (Christina Bock). Alles gerät unter dem wirtschaftlich eingedunkelten Himmel alsbald auch privat ins Rutschen. Die alte Liebe flammt nicht nur wieder auf, sondern wird heftig angefacht. Doch als das Cabrio mit Daisy am Steuer und Gatsby daneben ausgerechnet die Geliebte von Tom überfährt und Gatsby als Möchtegern-Kavalier die Schuld auf sich nimmt, wird er vom Ehemann erschossen, bevor der sich selbst erschießt. All das eine ziemlich amerikanische (Un-)Rechtspflege also.
Nach der Pause zieht sich der Dreistunden-Abend spürbar. Da wirkt der musikalische und szenische Aufwand für diesen Oberschichtenstress so großspurig überbordend wie die bewusst in Übergröße auf die Bühne gestellten weißen Terrassenmöbel und Blumenschalen. Szenisch hat Keith Warner ein passendes Ambiente geschaffen. Wobei die Bühne von der Mischung aus Industrieambiente und Silhouette und dem ausgestellten amerikanischen Hang zum Großkotzigen lebt. Der Entwurf zur Bühne stammt vom 2014 verstorbenen Johan Engel, den jetzt Matthew Rees umgesetzt hat. Das rassistische Südstaatenerbe und die dunklen Seiten der Industrie bleiben nur Andeutung; verschwinden am Ende gänzlich hinter dem allgemeinen Philosophieren des Chronisten übers Leben.
An der Spitze des durchweg überzeugenden Ensembles: Peter Lodahl als elegant geheimnisvoller Gatsby und die charismatische Maria Bengtsson als seine selbstbewusste Daisy. Eine Europäische Erstaufführung, die Dresden mit aller gebotenen Sorgfalt gestemmt hat. Nützen wird ihr das – zumindest hier in Deutschland – nichts.
