Es ist ernüchternd und beklemmend zugleich, wenn wir zwischen den verstellbaren grauen Wänden, die Johannes Schütz auf die Drehbühne gebaut hat, diese Geschichte aus der Perspektive Renatas miterleben. Wenn sie mit den aufgespaltenen und gedoubelten (auch kindlichen) Renatas und Ruprechts erscheint, die wohl eigentlich nur sie sieht, ist das beklemmend, auch wenn es stets als Theatermittel erkennbar bleibt. Der Weg in den Abgrund für das seltsam kaputte Paar Renata und Ruprecht beginnt in einem angedeuteten, billigen Hotelzimmer, in dem sie Stimmen hört und sich von denen so attackiert fühlt, dass es ihren zufälligen Zimmernachbarn Ruprecht auf den Plan ruft. Er will helfen, wird in Renatas Welt hineingezogen, fängt an sie zu begehren. Und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Ruprecht, der ihr zunehmend verfällt, bringt sich bei ihrer Jagd nach ihrem Grafen Heinrich, dem irdischen Wiedergänger jenes Engels, auf den sie fixiert ist, bis an die Grenze der Selbstzerstörung. Auch das Kloster, in das Renata flieht, versetzt sie in Unruhe. Dort hält sie den Inquisitor für ihren engelsgleich Grafen Heinrich, küsst ihn, übergießt sich dann aber selbst mit Benzin. Diese Renata bäumt sich so im musikalisch orgiastischen Finale gegen den inquisitorischen Vernichtungsschlag auf. Hinter den Stellwänden, die jetzt wie eine Mauer alles abschirmen, sieht mal dreimal eine gewaltige Flamme auffahren. Wohin auch immer.
Im Graben bewältigen GMD Henrik Nánási und sein Orchester die musikalische Dauererregung mit Hochspannung und mit Augenmaß, lassen dabei aber die sinfonischen Zwischenspiele grandios aufleuchten. Vokal und darstellerisch überzeugt vor allem Svetlana Sozdateleva als Renata. Sie ist das Zentrum eines Ensembles, aus dem Evez Abdulla als Ruprecht und Jens Larsen als Graf Heinrich und Inquisitor herausragen und in dem auch Faust und Mephisto oder der Gelehrte Agrippa von Nettesheim als Menschen von heute ihren beiläufigen Auftritt haben. Nach dem lodernden Finale braucht der Jubel für diesen Opernkraftakt eine paar Sekunden, um auf Touren zu kommen.
Weitere Termine: 2.2., 16.2., 2.3., 10.7.
