Nacht ist es auf der Bühne von Friederike Lettow. Hinten ein ein paar schwere Vorhänge, davor führt eine Holztreppe auf eine Brettl-Bühne. Es gibt eine Werkbank, die auch Ofen ist, ein paar Tücher. Sonst nichts. Aus dem Dunkel entsteht Pinocchio gleich doppelt, als Puppe und als Sängerin. Viel haben die Puppenspielerinnen Leonie Euler und Emilia Giertler zu tun, spielen Puppen von Fuchs und Kater und erfinden die Fee mit den blauen Haaren in Lebensgröße. Dazu spielen die drei Musikerinnen und zwei Musiker nicht nur Violine, Cello, Kontrabass, Horn und Schlagzeug, sondern auch mit, hören zu, sind jederzeit dabei. Und Adrian Heger koordiniert und erhält die Lebendigkeit.
Was vielleicht nicht stimmt, ist der erzählerische Bogen. Aber den will, wie oben beschrieben, das Stück nicht und die Regisseurin folgt hier konsequent. Es bleibt Nacht auf der Bühne. Pinocchio ist allein in einer Welt der Gefahrinnen. Orientierung, Aufklärung, Licht, ist unglaublich schwer zu finden. Das Schicksal der Aufführung liegt in der Frage beschlossen, ob Pinocchio das junge (und alte) Publikum bewegt. Und dafür steht Sarah Aristidou. Die junge französische Sängerin ist nicht nur der einzigen – und hochanspruchsvollen – Gesangspartie mühelos gewachsen; sie transportiert auch den gesprochenen Text auf hohem schauspielerischem Niveau; und sie interagiert fast fanatisch mit den Puppenspielerinnen und dem Instrumentalquartett, so dass man wirklich ein Ensemblestück erlebt. So wird die alt bekannte Geschichte, vom Holz zum Menschen, hier nicht neu erzählt. Aber sie wirkt in keinem Moment alt.
