„Du Hitler“ beschimpfen sich die vier Figuren wechselseitig, kleben sich auf dessen Spuren „Hitlerbärte“ an und kleistern die Haare mit Gel ein. Dabei springen die Schauspieler mühelos zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wechseln Kleidung und Rollen, hellwach, mit bösem Humor. Eine großartige Ensembleleistung. Zu deren Entfaltung das schlichte, durch Schiebeelemente wandelbare Bühnenbild viel Raum bietet.
Inhaltlich geht an mancher Stelle einiges durcheinander: die Frage nach Zivilcourage steht neben Ekelszenen im Dschungelcamp. Hitler als „erfolgreichster Psycho“ inmitten von Superstars, die Deutschland in seinen TV-Castingshows kürt. Versatzstücke individueller Biografie und Gesellschaftsdiagnose laufen da nebeneinander her. Reizüberflutung ohne Einordnung, die das Stück schuldig bleibt.
Nach 90 Minuten turbulentem und wortgewaltigem Schlagabtausch bleibt Ratlosigkeit. Wie passen Alltagsfaschismus und Biografie Hitlers zusammen? Was fangen wir mit dem Wissen über den prügelnden Vater, den frühen Tod der Eltern und schulischen Misserfolg an? Welche Bedeutung hat all das angesichts der historischen Ereignisse? Die verübten Verbrechen, die Menschen, die der NS-Ideologie freiwillig folgten. Eine klare Haltung liefert „Du Hitler“ nicht, will es vielleicht nicht liefern. Das ist schwer verdaulich.
„Du musst Unklarheiten und Ambivalenzen aushalten“, heißt es an einer Stelle im Text. Damit wird der Ball zum Zuschauer zurückgespielt. Welche Haltung nehmen wir zur Vergangenheit und damit im Hinblick auf unsere Gegenwart ein? Hier offenbart „Du Hitler“ eine Lücke. Sie unausgefüllt zu lassen, ist bei aller Reizüberflutung zugleich eine Stärke des Stückes.
