Die Inszenierung nutzt vor allem musikalische Effekte: durch eingespielte Musik von Barber, Beethoven, Bach bis zu Nina Simone und Rammstein. Die von Franz inszenierte, falsche und todbringende Nachricht vom Tod des Bruders an den Vater ist mit dramatischer Musik unterlegt. Die Räuberbande Karls wiederum erscheint erstmals durch eine in den großen Monolog von Franz (über seine Motivation) eingebaute Videoeinspielung; diese zeigt eine Gruppe junger Menschen, die auf einem Spielplatz abhängen und zu sinnloser Gewalt neigen. Der Auftritt der fünf Räuber erfolgt über die Zuschauerränge – mit viel Lärm und respektlosen Bemerkungen über das Theater: Auf die Spielfläche geklettert, wirken die Rowdies auf der Bühne jedoch ziemlich brav – und fast ein wenig allein gelassen. Gewalt und Hass sind behauptet und konstruiert. Das Spiel bleibt technisch geschickt inszeniert, die darstellerische Ausarbeitung der Charaktere wirkt hingegen unfertig. Neben Musik und Licht samt Videoeinspielungen werden zur Verstärkung der kaum ausgespielten Emotionen auch immer wieder tragbare Mikrophone eingesetzt; schließlich stellen die mit anderen und ihrem eigenen Leben spielenden Räuber auch lebensgroße Doppelgänger-Pappfiguren neben sich: als zeichenstarkes Bild, das kaum ins Spiel integriert wird.
Sind die Darsteller zu wenig aufeinander eingespielt oder hatte die Regie zu wenig Vertrauen in ihre Fähigkeiten? Im zweiten Teil, wenn die Klettergerüste aus dem Eingangsvideo (Video: Bibi Abel) zunehmende die Bühne dominieren, deutet Kjell Brutscheidt als Karl Moor an, dass die Figuren aus Schillers überdrehtem Erstlingswerk auch heute noch berühren können. Er zeigt nun einen verzweifelten jungen Mann, der zu Hause die Missverständnisse aufklären will, aber schon zu tief in die Spirale aus Mord und Totschlag gefangen ist. Sein Zögern und Nicht-Verstehen berühren über die ansonsten dominierende Zeichenhaftigkeit hinaus. Doch zunächst kann auch er in der kleinen Gruppe aus wenig prägnanten Räuberfiguren sein Handeln nicht motivieren. Statt opernnaher Regiearbeit wäre diesen „Räubern“ mehr Schauspiel zu wünschen gewesen, mit viel innerer Musik.
