Für diese Stellen hat auch Marius Felix Lange keine Lösungen anzubieten. Seine verzerrte Blasmusik klingt in ihrer herben Verdrehtheit sogar angenehmer und vor allem leichter zu ertragen als „echte“ Schützenfestmusik. Lange setzt, wie viele aktuelle Komponisten im Musiktheaterbereich, an der Nahtstelle zwischen Spätestromantik und Moderne an. Das „Mädchen“ ist wirkungssicher und atmosphärisch stark, mit viel Theaterinstinkt instrumentiert – und mit schönen Verbindungen zur Volksmusik. Lange versteht es, für Gesangsstimmen zu schreiben, traut sich auch hier und da eine wirklichen Melodielinie zu, am schönsten im kurzen Duett zwischen Lena und dem Mond. Was fehlt, ist das Neue, die Verbindung ins Heute. Die Komposition bleibt ganz im nachromantischen Klangraum, sucht kaum Verbindungen zur heutigen Musik, weder zu U noch zu E. Und manchmal, wenn die Sänger nicht zu verstehen sind, was im jungen Publikum umgehend Unruhe schafft, kann man sich über die klebrig lauten, der Klangsuppe des späten Richard Strauss wie abgelauschten Mittelstimmen auch mal ärgern.
Dennoch ist dem Stück zu wünschen, dass es hier und da nachgespielt wird, ruhig auch mal aus gesellschaftskritischer Sicht, und dass es immer ein so musikalisches, enthusiastisches und gut vorbereitetes Sängerensemble haben möge wie jetzt in Duisburg. Denn das junge Publikum war hin und weg und bestätigte mit heftigstem Schlussapplaus, -gebuhe und -gebrüll eine alte Theaterweisheit: Prinzessinnen sind beliebter als Totengräber.
