Bis dahin ist es ein langer, nicht immer anregender Weg: Dies liegt nicht an den Kostümen. John Bock ist einfallsreich zu Werke gegangen, erinnert in seinen Figuren an Vorbilder von „Heidi“ bis „Star Wars“, von Formans „Amadeus“ bis Disneys „Fluch der Karibik“ und schafft damit ein eigenständiges ästhetisches Erlebnis (seine wie auch Baselitz‘ Entwürfe sind seit Samstag auch in den benachbarten Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen). Doch vor allem der erste Akt zieht sich – trotz nur 45 Minuten – zuweilen bedenklich dahin, hier hätte ein wenig mehr Spiel- und Inszenierungslust auf der Bühne und vielleicht auch weniger selbst auferlegte Begrenzung im Bühnenbild gut getan. Entschädigt wird man durchgängig musikalisch: Ligetis Anti-Anti-Oper wartet reihenweise mit scheinbaren und wirklichen musikgeschichtliche Zitaten aller Jahrhunderte auf, die Robert-Schumann-Philharmonie unter Frank Beermann kann sich hier einmal mehr als Meister aller Klassen präsentieren. Dies gilt ohne Abstriche auch für die Meisterung der ungewöhnlichen Orchestrierung: Zu zerreißendes Papier, kanonartige Autohupen, Weckerklingeln – präzise und fast gewollt klingend unsauber eingesetzt – tragen zum Klangerlebnis bei, ebenso wie Chöre und instrumentale Solisten, die mit ihrem Einsatz im Parkett und in den Rängen die Weltuntergangsstimmung atmosphärisch bis in den Saal tragen.
Und so ist es die eigentliche Überraschung dieses Abends: Dass Georg Baselitz nicht der Star dieser Inszenierung ist. Dass der Künstler sein Ego zurückstellt, am Ende dem Orchester, den Solisten, den Chören applaudiert und sich als das gibt, was er für diese Oper war: Gleicher unter Gleichen, ein Beiträger zu einem weitestgehend gelungenen Opernabend.
