Von den real getanzten Nummern im ersten Teil amüsiert vor allem Itzik Galilis „The Sofa“, der kokette Eroberungskampf eines Machos um eine Frau (Eric Gauthier und die bezaubernde Marianne Illig in wilden Sofa-Klettereien), der sich für ihn im homoerotischen Albtraum mit vertauschten Rollen wiederholt. Auch der „Freistoß“ des Ulmer Ballettchefs Roberto Scafati, bei dem je zwei Spieler, Torwart und Schiedsrichter gängige Fußball-Gesten in Slow-Motion veräppeln, sorgt für flächendeckendes Amüsement. Ein zu knapper Ausschnitt aus dem preisgekrönten Erfolgsstück „Poppea//Poppea“ lässt ahnen, wozu die Company fähig ist. Gauthiers Neukreation „Taiko“ hingegen, ein pseudo-japanischer Trommelwirbel, ist wenig ergiebig – weder als rhythmische Bewegungsstudie noch als effektheischende Show, bei der die drei Tänzer abwechselnd in Lichtquadern fokussiert werden.
Nach der Pause folgt der gewollte Stilbruch mit Mauro Bigonzettis folkloristischem Meisterwerk „Cantata“, erweitert um eine Rolle für Madsen als verehrter Greis und Gauthier als infantiler Dorfnarr. Vier Musikerinnen der italienischen Gruppe Assurd begleiten die Tänzer zu rituellen Volkstänzen und Gesängen. Doch so sehr sich die zum Abschluss 12-köpfig auftrumpfende Gruppe auch müht: All das Wirbeln, Beißen, Schreien und Stampfen erreicht nicht die archaische Intensität des italienischen Aterballettos.
Schade ist, dass der cineastische rote Faden der ersten Hälfte im zweiten Teil keinerlei Anknüpfung mehr findet. Dennoch: der Saal tobt, Gauthier Dance hat sein Publikum gefunden.
