Doch bis das passiert, gibt es eine Menge zu hören und zu sehen in der Deutschen Oper. Anno Schreier und Kerstin Maria Pöhler legen ihre Oper nicht als stringent erzähltes Psychodrama an, das bunt zersplitterte Kaleidoskop der Bilder ist genauso fragmentarisch und zitiert viele Stile wie die Musik – eine Vielfalt, die an die Filmsprache von Quentin Tarantino erinnert. Absurd und aberwitzig muten diese Bilder manchmal an, Komik schlägt unmittelbar in Tragik um, hin und wieder blitzen Anspielungen an Dada durch: Die Bühne zeigt simultan Fantasiebilder wie den Giftpilz, Renaissanceszenerien wie die Verbrennung von Soranzos abservierter Geliebter Hippolita (Sarah Ferede) als Hexe und ein modernes, kühles, schwarz-weiß gehaltenes Ambiente. Genauso bunt sind auch die Kostüme von Michaela Barth – vom römischen Mantel-und-Degen Ritter Grimaldi (Sergej Khomov) über den Rokoko-Galan Bergetto (Florian Simson) bis zu dem modernen Anzugträger Soranzo.
Zersplittert wie die Szenerie sind auch die Identitäten der Charaktere. Ihre Zerrissenheit reflektiert die Stilvielfalt der Musik, ein kompositorisches Markenzeichen Anno Schreiers, das er souverän und virtuos handhabt. Komische Elemente bringt ein fahrender Arzt mit seiner koloratursingenden Tochter im Stil Rossinis ein, die tristaneske romantische Todessehnsucht des Geschwisterpaars mündet in flächig gegeneinander bewegte Cluster. Dass bei diesem Stilmix die Übergänge reibungslos funktionieren und nichts verwischt, ist das Verdienst der sehr spielfreudig und präzise musizierenden Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung von Lukas Beikircher.
Und in all diesem Wirbel, unterhaltsam und verstörend zugleich, ist klar: Dieses Parma ist immer und überall.
