Cornelius Mickel ist ganz der zaudernde Möchte-gern-König, den Shakespeare bescheiden behaupten lässt: „Will das Schicksal mich als König, nun, mag mich das Schicksal krönen, doch ohne mein Zutun“. Dass er da die Rechnung ohne sein ehrgeiziges Weib gemacht hat, ist hinlänglich bekannt. Die Japanerin Ako Nakamone gibt sich vom ersten Auftritt an als eiskalte Lady Macbeth und lässt alle anderen mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und exzellenter Tanztechnik weit hinter sich. Als Wahnsinnige allerdings hält sie der Choreograf diskret zurück, um dem Gatten den großen Tod zu gönnen.
Die Personen und Charaktere lassen sich nur schwer unterscheiden, wenn sie kämpfen, morden, Tango tanzen. Viel zu austauschbar ist alles. Viel zu oft wird im Zeitlupentempo getanzt und mit enervierend stereotyper Gleichförmigkeit, so wie auch die vorwiegend minimalistische, motorische Musik von Xenakis bis Glass klingt. Alles wie aus einem Guss, ließe sich folgern. Nur leider blieb das Drama dabei auf der Strecke. Kaum nachzuvollziehen ist Paars aktueller Bezug zur „politischen Landschaft Syriens und Afrikas“ mit den „erschreckenden Bildern von Diktatoren, die auf Kosten ihres Volkes unbeirrt ihre eigenen Ziele verfolgen“. Den Zuschauern, vielfach Shakespeare-gestählt in den Sparten Oper und Schauspiel in der vorigen Saison, schien’s einerlei. Das Premierenpublikum jedenfalls zeigte sich hellauf begeistert. Es feierte das neue Ensemble und auch die Musiker des Sinfonieorchesters unter dem umsichtigen Thorsten Schmid-Kapfenburg demonstrativ.
