Sie überragte damit ein gutes Ensemble, angeführt von dem gewollt „jugendlich unbedarft zupackenden“ Waffengesellen Kurwenal Jochen Kupfers bis zu Guido Jentjens solidem König Marke. Intendant Peter Theiler griff zu – und hat nun in Vincent Wolfsteiner einen ansehnlichen Tenor im Ensemble, der – nach nur einem Strich im Liebesduett – den dritten Aufzug mit seinen stimmmörderischen Schmerz-Wahn-Fluch-Verzweiflungsausbrüchen beeindruckend bewältigte, ein paar wegbrechende Töne mögen der kleinen Erkältung und der Premierenanspannung geschuldet sein. Die frühere Mezzosopranistin Lioba Braun, bislang eine Brangäne von Opern-Weltrang, wählte Nürnberg, um nach einer Babypause und veränderter Stimmlage nun ihre erste Isolde zu wagen. Sie bringt die ganze Wärme und Rundung der Mezzo-Lage in die Sopranpartie mit – eine anrührend Liebende. Doch für Isoldes hochdramatische Ausbrüche, die Todesflüche und Verwünschungen, für die Höhepunkte der Ekstase und den Liebestod fehlen ihren Spitzentönen das lodernde Leuchten oder der blanke Stahl – noch?
In Nürnberg eine Frau als „Tristan“–Regisseurin: Monique Wagemakers überzeugte mit viel psychologisch fundiertem Realismus in den ersten beiden Aufzügen. Auch die schwer gestaltbaren 50 Minuten von Tristans finalem Liebes- und Todeswahn gelangen – doch dann Stil-Wirrwarr: banaler Schwertkampf-Aktionismus beim Eintreffen von Marke, Brangäne und Isolde – dann Zurücktreten dieser Figuren – und zu Isoldes Liebestod-Entrückung erhebt sich Tristan, tritt, sie umarmend, hinter Isolde – und so verlöschen Licht und Musik – surreal? symbolistisch? Dabei hatte Bühnenbildner Dirk Becker visuell beeindruckend, ja „Wieland-Wagner-nah“ begonnen: schwarzer Bühnenraum, ein heller, ovaler Rahmen, dahinter drei spiralnebelartige Ringe als Spielscheibe mit drei eben solchen Ringe als Decke, im Hintergrund ein Lichtbalken – Milchstraßen-Galaktik oder Horizont. Dazu Gabriele Heimanns Kostümmischung aus asiatischem und „Krieg der Sterne“-Touch – ein Hauch von passender Science Fiction. Doch Wagemakers hielt diese „Welt-Entrückung“ eben leider nicht durch, auch Beckers Ring-Brüche am Ende samt verstreuter Lava waren verzichtbar. So blieb es bei der Überwältigung durch Wagners singulär rauschhafte Musik.
