Ihr geht es nämlich nicht gut beim Oheim Bartolo. „Leb hier mit dem totalen Tyrannen“, schreibt sie Almaviva im Chat. Bartolo (schön spießig: Andrew Murphy) ist Antiquitätenhändler und gänzlich analog unterwegs. In der von Vasilisa Berzhanskaya mit satter Tiefe und perfekt modellierten Verzierungen versehenen Cavatina „Una voce poco fa“ möchte diese Rosina ihn am liebsten hinter seinem Rücken erstechen, während er seine von Berta (tragikomisch: Kali Hardwick) servierte Suppe löffelt. Serebrennikov hält das Tempo hoch und variiert in jeder Szene diese ganz auf Wirkung getrimmte Facebook-Welt. Die Arie „La calunnia è un venticello“ (Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen) von Basilio (Antoin Herrera-Lopez Kessel) kombiniert er mit Flüchtlingsbildern auf dem Fernseher. Und sorgt an diesem leichtgängigen Abend auch für verstörende Momente, wenn er zum musikalisch durchgeknallten, hocherhitzten Finale des ersten Aktes die Choristen mit blutiger Schürze oder schwarzer Krone auftreten lässt (Chorleitung: Michael Clark). Dirigent David Parry, der die Rezitative selbst ganz inspiriert am Hammerflügel begleitet, wählt flotte Tempi, von denen sich das in Zivil gekleidete Sinfonieorchester Basel nicht aus der Kurve tragen lässt. Aber auch die wenigen Ruhepunkte gelingen dem Briten mit großer Sensibilität. Am Ende kommen Almaviva und Rosina doch analog zusammen, nachdem ihnen Figaro die Handys weggenommen hat. Aber die echten Gefühle werden doch wieder im Glamour erstickt. Und Bartolo dreht im Hintergrund eine verstimmte Kirmesorgel.
