„Kinder des Olymp“ ist ein Film über das Theater. Ein Film, der die Vorsilbe „Kult-“ verdient hat. Schölch holt ihn ins Theater, setzt ein weiteres Mal auf minimale Ausstattung und maximale Schauspielerkunst und zaubert den Flair des Pariser Künstlerlebens auf seine leere Bühne. Ein paar Laken verwandeln die Bühne in die Pension der Madame Hermine; ein geraffter Vorhang zaubert eine Loge herbei; auf einer imaginierten Theke abgestützte Ellenbogen – und schon befindet man sich in der Rotkehlchen-Bar, wo man sich bei Tanz und Mordgedanken sein Leben ein wenig schöner trinkt.
Philipp Moschitz spielt den Baptiste, diesen melancholischen Pantomimen, der die Menschen nicht zum Lachen bringen, sondern sie rühren will. Wie er den Taschendiebstahl einer goldenen Uhr als Ein-Mann-Show nachspielt, beeindruckt nicht nur Garance, die ihm eine Blume zuwirft, die sein Leben verändern wird: Er verliebt sich in die schöne Fremde, wird sie lieben für immer. Schölch versteht es meisterhaft, zwischen Ernst und Komik zu wechseln, ohne dass das Eine dem Anderen Abbruch tut. Wo Moschitz für den Ernst zuständig ist, ist Butz Buse es für die Komik. Er spielt unter anderem die alte lüsterne Zimmerwirtin Madame Hermine, dass es eine wahre Freude ist. Im monströsen Nacktanzug, den ihr Morgenmantel nur unzulänglich bedeckt, macht sie sich an ihre Zimmergäste ran, so gut es ihr Rheumatismus eben zulässt. Das ist irre komisch, doch Buse spielt seine Figur mit einer Zärtlichkeit, die sie nie der Lächerlichkeit preisgibt.
Auch wenn das kühle Regenwetter die Münchner Premiere aus dem romantischen Garten in den Theaterraum zwingt: Hier ist alles aus einem Guss, die leichte Surrealität, die über vielen Szenen liegt, verleiht diesem Abend einen ganz eigenen Flair. Was man hier zu sehen kriegt, ist ganz großes Kino. Nein: Theater!
