Es beginnt mit einem Mord auf offener, nächtlicher Straße. Mit den schüchtern platzierten Zeichen von Trauer für den Ermordeten, beginnt sich dann der Widerstand gegen Unterdrücker-Arroganz zu formieren, den entschlossene Ideologen zum offenen Krieg forcieren wollen. Als Henri den obersten Besatzer-Finsterling (der hier dem Klischee eines Wirtschaftsbosses entspricht) ins Jenseits befördern soll, stellt sich heraus, dass ausgerechnet der sein Vater ist. Das ist ein Argument für das Zurückschrecken vorm Tyrannenmord, das dann selbst Hélène (die Schwester des Ermordeten vom Anfang, der gerächt werden soll) akzeptiert. Obwohl er damit seine Gesinnungsgenossen praktisch ans Messer liefert. Als dann für einen Moment die Utopie aufscheint, weil der Gouverneur (als Vater auf Bitte seines Sohnes) die Hinrichtungen absagt und stattdessen die Hochzeit der sizilianischen Herzogin mit dem spät gefundenen, offiziell anerkannten Sohn ansetzt, ist längst klar, dass das nicht gut gehen kann.
Die Arroganz der Mächtigen ist nur mühsam zurückgedrängt. Auch das offene Bekenntnis des Sohnes zum verhassten Vater wurde von dem eiskalt erzwungen, was selbst diese eine echte Gefühlsregung desavouiert. Quinn Kelsey hat tatsächlich das stimmliche und darstellerische Format diesen Widerspruch glaubhaft gegen die für einen Bösewicht eigentlich viel zu schöne melodische Ausstattung seiner Partie zu behaupten. Wirklich überlegen ist die Gegenseite aber auch nicht. Wenn Raymond Aceto als Ideologe des Widerstandes Jean Procida immer wieder mit großem Pathos von Freiheit und Tod redet, dann hat man schnell den Verdacht, dass es ihm noch mehr um seinen eigenen Heldenruhm, als um die Freiheit und den Frieden für sein Volk geht.
Es kommt, wie es kommen muss: Wenn schließlich die Genickschüsse (so wie heute noch in Weißrussland exekutiert wird) der Aufständischen das Leben des Brautpaares und die Oper beenden, bleibt die Erkenntnis im Raum, dass sich wenig geändert hat, wenn Hass und Rache den Gefühlshaushalt von Völkern oder Gruppen bestimmen. In Frankfurt ist ein vokal vorzüglich ausgestatteter Opernthriller Verdis zu besichtigen, der aktueller ist, als einem lieb sein kann. Viel Jubel zwischendurch und dann am Ende.
