Die Inszenierung bleibt dabei dem Grundgedanken der Vorlage treu. Während der englische Dramatiker in fast allen seinen Stücken das Scheitern der Liebe an den gesellschaftlichen Konventionen verhandelt, deutet er in „Der Sommernachtstraum“ eine alternative Vision an: Jenseits des politischen Ränkespiels – Hermia und Lysander fielen ihm zu Beginn beinahe zum Opfer – folgt die Liebe im Schutz der Wälder den Eigengesetzlichkeiten der Natur. Nur die Elfen haben hier ihre Hand im Spiel, Athener Zweckbündnisse sind ihnen fremd. Indem Volker Walther ein immer wieder von Oberons Gehilfen Puck, schelmisch gespielt von Matthias Günther, in Gang gesetztes Rondell auf der Bühne installiert, liefert er ein Bild für den Kreislauf des Lebens – er ist das eigentliche Sujet des gesamten Stückes, das zugleich die eigene Theatralik zu erkennen gibt. Als sich am Morgen nach der Elfenhexerei, wo nach einigen Drehungen und Wendungen der Handlung Demetrius Helena und Lysander wieder Hermia verfallen ist, Scheinwerfer und sonstiges Bühnengerät vom Spielfeld nach oben gezogen werden, ist der Spuk vorbei und der Weg zu den Liebesvermählungen frei.
Neue Akzente für die Shakespeare-Interpretation mag man hierin zwar vergeblich suchen – bleibt doch der im Stück angelegte, potenziell nutzbare Gender-Komplex weitestgehend unberührt. An Vitalität mangelt es der Inszenierung trotzdem nicht. Im Gegenteil: Dass der Regisseur in einigen Teilen den Originaltext etwas strafft und aufhippt, tut dem ansonsten und heute etwas holprig anmutendem Blankvers gut. Eine solide Klassiker-Adaption!
