Für Carmen Yasemin Zehentmeier und Sebastian Reich, die Hauptakteure, heißt es hier „Arme hoch = Einatmen“, „Arme runter = Ausatmen“, fünfmal, bis das Atmen auch wirklich sitzt. Das braucht man für die Stimme und für den Protest und den gibt es reichlich. Schon geht es in den Regenwald („Es war einmal ein Wald“, spricht’s aus dem Off), wo Kolibris hüpfen, Käfer sausen, Ameisen wuseln. Erst pflügen die beiden Schauspieler mit weichen Schritten durchs Gehölz, dann, wenn im „Hüter der Welt“ geholzt wird, fallen sie mit kurzen, aggressiven Bewegungen und rappeln sich wieder auf, atmen schwer. Zu ihnen gesellt sich noch Zenghao Yang, per Monitor aus Shanghai zugespielt – Einreisesperre –, der knochentrocken wie der tägliche Fernsehvirologe die Klimafakten auf Mannheim runterbricht. Und so muss Sebastian Reich eben „Torte“ machen: mit lauter „Hmmms“ die luftverseuchte Stimme reinigen.
Was Martin Nachbar und sein Team hier gekonnt machen, ist klassisches Agitprop, auf 12-Jährige runtergedimmt. Überrumpeln, überreden, überzeugen: Da dürfen weder Greta und ihr „Skolstrejk“ noch böse Politiker und Industrien, weder Plakate („Oma, was ist ein Schneemann?“) noch Anweisungen („reparieren statt kaufen“) fehlen. Als „Experten“ ziehen Zehentmeier (schnelles Sprechen, aufgeregte Gestik) und Sebastian Reich (geht es eher bedächtig an) weiße Kittel an und streiten mimisch-flüsternd.
Dass Mädchen sich nichts bieten und sagen lassen sollen („Wo sind denn die Checkerinnen?“), passt auch noch rein, Pandemie, Bundestagswahl und genderkorrektes „RednerInnenpult“ ebenfalls. Die Texte (Autoren werden nicht genannt) sind manchmal unbeholfen, aber zielführend, Song- und hallende Musikfetzen tropfen ins Stück, Fakten prasseln. Nur der Tanz, die Bewegung, Basis dieser Erkundung, kommen etwas zu kurz. Aber gegen Ende der Lehrstunde marschiert Zehentmeier mit gereckter Faust, Reich strahlt mit immerhin erhobenen Armen. Wenn die Welt aufgeräumt ist, strahlt sogar das Bühnenlicht wie Sterne. „Pressluft“ ist kein Mitmach-, aber ein Mitnehmstück, auf dass es bald „Friday, Monday, Tuesday…“ heiße – „na aber so was von“.
