Zentrum der quasi-barocken Kulissenbühne ist ein riesiger pinker Stöckelschuh: Lotterbett, Himmelsleiter und zentrale optische Chiffre in einem. In ihn will die einsame liebestolle Platée so gerne hinein. Die ist hier keine hässliche Alte, sondern eine melancholische, weltfremde Bordsteinschwalbe ohne Schuhe. Sie gehört nicht dazu, wird so zum leichten Opfer einer sensationslüsternen High-Society-Menge und erschießt sich nach dem letzten Ton des – trotzdem – hochamüsanten Abends.
Sobald allerdings das Festtableau, Jupiters Fast-Hochzeit mit Platée, erreicht ist, hört der – ohnehin spärlich fließende – Handlungsfluss vollends auf. „La Folie“ tritt auf, der Fleisch gewordene Höherer Blödsinn im Dominamodus. Sie singt lange und brillant, stiftet Verwirrung und zementiert, wie von ihrem Schöpfer gewollt, den dramaturgischen Stillstand.
So war das halt bei den alten Franzosen. Nichts war wichtiger als die Feste. Dem Zuschauer im 21. Jahrhundert bleibt da nichts übrig, als ein paar Synapsen zuzudrücken und das Theatererlebnis ganz seinen Sinnen anzuvertrauen. Und das lohnt sich in Düsseldorf durchaus.
