Und wenn Orfeo und Caronte, letzeterer von Hagen Erkrath wunderbar düster gestaltet, von Streichern (hinten) und Cembalo (vorne) quasi eingekreist werden, ist auch dies zwar ein Raumklangeffekt, bleibt aber szenisch zu statisch und gerät zu lang. Ab jetzt mutet die Inszenierung mehr wie ein höfisches Zeremoniell denn wie Theater-Spiel an.
Weil man Originalsprache, aber keine Übertitelung wollte, hat man die Rolle der „La Musica“ (Anna Erxleben) über den Prolog hinaus in alle fünf Akte verlängert. Im feschen blauen Frack ist sie mit ihren deutschen Zwischentexten Kommentatorin, Moderatorin, Übersetzerin. Doch was anfangs eine hübsche Idee ist, hemmt den Spielfluss in den fast drei Stunden doch merklich, weil das, was gerade gesungen wurde, noch einmal sprechend verhandelt wird.
Musikalisch kann sich dieser „L’Orfeo“ durchaus hören lassen, wenn er auch ohne wirkliche Höhepunkte bleibt; mit einem eher dunkel gefärbten, melancholischen Orfeo, wie ihn Peter Diebschlag gibt. Bei den zwei möglichen Schlüssen (im Erstdruck des Librettos und im Erstdruck der Partitur) hat Horstmann sich für beide entschieden. Erst wird Orfeo von rot kostümierten Frauen mit schwarzen Kräuselperücken mit Stangen gemeuchelt – was eher putzig als bedrohlich wirkt. Dann aber holt Apollo ihn doch in den Himmel, wo er Euridice in den Sternen wiedersehen soll. Und wie um dieses Finale aus Tragik und Hoffnung doch noch zu einem Happy Ende zu führen, wird auf der Bühne, wie zu Beginn, noch einmal fröhlich gefeiert.
