Als Hausregisseur am Berliner Gorki-Theater zählt Nunes längst zu den ganz bekannten Namen seiner Generation. 2010 wurde er bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum Nachwuchsregisseur 2010 gewählt. Sein „Spi-derman“-Projekt, mit dem er bei Gastspielen in Deutschland und Frankreich Fu-rore machte, zeigt Nunes besondere Qualität, nackte Gefühle hinter der Fassade des Worts herauszukitzeln. Wenn Simon Bauer erzählt, wie seine Freundin stets das richtige Zitronen-Joghurt für ihn auswählt, ist das mehr als trendiges Bezie-hungsgeplänkel. Hinter vermeintlicher Harmonie lauern enttäuschte Illusionen.
In Nunes’ leerem Bühnenraum wird die schwarze Gummispinne zum wichtigs-ten Requisit. Sie steht für die Ängste junger Menschen, deren tiefste Gefühle in der Medienmaschinerie zermahlen werden. Drehbuchgerecht gedrechselte Sätze plappern Kahnwald und Bauer so einsilbig nach, als kämen sie vom DVD-Player. Dass sie Satz- und Wortfetzen unbedacht reproduzieren, passt ins Bild. Klug distanzieren sich die Schauspieler von den Figuren. So fördern sie deren Ängste zu Tage – ebenso wie die Lügen, die sie am Leben erhalten. Manchmal verheddert sich Nunes’ dynamische Performance in trockener Theorie. Das schwächt sein wunderbares Gespür für das Komische. In der Karlsruher „Spi-derman“-Neuauflage lachte das Publikum viel und spontan. Der gierige Griff in den Zitatenschatz der Medientheorie wirkt da höchst aufgesetzt.
