Auf der leeren Bühne agiert das Ensemble ungeschminkt in deutschen Freizeitklamotten, gibt sich mit Schlafsack auf einen Abenteuertrip und wechselt zu unmerklichen Lichtwechseln unmerklich die Rollen – eben noch Migrant, schon Menschenhändler, dann korrupter Beamter. Allesamt irgendwie ähnliche Opfer der Tragödien Afrikas? Gewaltaktionen werden theatralisch abstrahiert, Leiden und Hoffen der Figuren fulminant ausgespielt wie im bürgerlichen Psychodrama. Auch so wird deutlich nicht die Realität der Flüchtlingskarawane illusioniert, sondern das, was unsere westliche Vorstellungskraft sich darunter vorstellen könnte. Eine Inszenierung im Konjunktiv des Traumes. Die Regie schiebt weitere surreale Sequenzen dazwischen, etwa Fantasien der Afrikaner vom reichen Westen. Irgendwie wirkt alles auch wie der Alptraum des Autors Gatti von seiner Undercover-Recherche. So richtig das inhaltlich scheint, so wichtig die Thematisierung auf der Bühne ist, so engagiert auch gespielt wird: Das empathiewillige Publikum erlebt keine Biografien zum Hineinfühlen/-denken, sondern narrativ nur locker verbundene Spotlights der Flüchtlingsproblematik und ins Beispielhafte verkürzte Figuren, die Szenen auch immer wieder moralisierend zuspitzen müssen: Warum wir das zulassen, das sei mit den Menschenrechten doch nicht vereinbar … Aber was wäre zu tun? Dass diese Frage dann unbeantwortet bleibt, mit wutdrängender Wucht ins Parkett weitergereicht wird, ist der Trumpf der Inszenierung.
