So erschallt bald, nachdem die Oper mit sanftem Tropfengeräusch, sanften Streichern begann und sich in dumpfes Klavier und harte Bläsertöne steigert, der böse Sprechgesang des „Judas! Juda! Süß!“, der in „Asche, Asche, Asche“ weiterraschelt. Und wenn Süß warnt, „fordert Jahwe nicht zur Rache heraus“, bleibt im Echo nur „Rache, Rache“ übrig. Szene und Musik, eng verzahnt, machen so immer wieder deutlich, wie aus Stimmungen Vorurteile, aus den Einflüsterungen eines Denunzianten in rhythmischem Sprechgesang Gefahr und aus dem von Andreas Ketelhut einstudierten Chor der Hofgesellschaft Meute und Gericht zugleich wird.
Das Philharmonische Orchester Erfurt unter Samuel Bächli läßt eindrucksvoll alle Facetten von Glanerts Musik klingen, der immer wieder den harten Schlag der zufallenden Kerkertür einbringt, das Orchester aber auch kurzangebunden, mächtig, die Aggressivität der vielen Stimmen aufnehmen lässt. Und so machen Musik und Szene schon klar, als Süß noch von Ruhm und Ehre für sein Volk träumt und singt, dass es anders enden wird. Máté Sólyom-Nagy in der Titelpartie steht da – elegant, selbstbewußt, wohlklingend – an der Spitze eines Ensembles von überzeugenden Sängerdarstellern: Ob die anrührend-naive Tochter Naemi (Henriette Gödde), auch sie farbig gekleidet, der furchtsam warnende Rabbiner Magus (Jan Rouwen Hendriks) oder Weissensees Tochter Magdalena (Marisca Mulder), ein Opfer auch sie. So sind und bleiben Glanerts Musik und Montavons Inszenierung in 90 kurzen Minuten eindringlich, beklemmend, verstörend – und in das Stimmen-Crescendo des Endes hat Joseph Süß das letzte Wort: „Ich bin unschuldig“.
