Schmiedleitner setzt eine schmutzende Welt gegen den Phantom-Glanz, entwindet dem Scheitern jegliche Verklärung. Er rüttelt an den Fundamenten des Stückes, aber er zerstört es nicht. Zwar sind seine Provokationen zu oft platt (Alberich pinkelt auf Wotan) und die blutigen Splatter-Zugaben (es spritzt gewaltig bei Mord und Totschlag) gehören eher zur Komik, zwar fällt ihm und Bühnenbildner Stefan Brandtmayr zum Drachen nicht mehr ein als ein sanftes Erdbeben mit Beleuchtung, doch die glänzende Personenregie bringt für Wagners abendfüllende Dialog-Staffel zunehmend faszinierende Begegnungen. Die Sänger profitieren alle davon.
Heldentenor Vincent Wolfsteiner – nach drei Nürnberger Jahren als Otello, Tristan, Kalaf und Siegmund in Bestform – besteht sein Rollendebüt in jeder Hinsicht grandios. Er singt die mörderische Partie stabil bis zum letzten Ton und lässt sich vom Regisseur zu einer absolut unheldischen Charakterstudie aus böse funkelnden Facetten verführen. Peter Galliard ist der bibbernde Mime, der auch stimmlich durchaus Ziehvater sein könnte, der junge Antonio Yang bestätigt als Wanderer mit „Ich bin dann mal weg“-Kluft alle Hymnen, die nach den ersten beiden „Ring“-Teilen über ihn geschrieben wurden. Die Brünnhilde von Wucht-Sopranistin Rachael Tovey, der man ja vor nicht allzu langer Zeit kaum Schauspieler-Talent hinter der grandiosen Röhre zutraute, steckt voller unerwartetem Witz. Mit Martin Winkler (Alberich) ergibt das ein Nürnberger „Siegfried“-Ensemble allererster Güteklasse.
Generalmusikdirektor Marcus Bosch betont die Vielfalt des Konversationsstückes, forscht mit dem Philharmonischen Orchester auf der Spur kleinteiliger Reflexe, scheint sich manchmal auch darin zu verlieren und katapultiert dann doch im entscheidenden Moment den Klang aus der Analyse zum Gipfelpunkt. Eine versonnene, der drastischen Regie nur bedingt folgende Interpretation, immer den Sängern zugewandt. Man hört gebannt hin. Es gab Jubel für die Solisten, Beifall für den Dirigenten und lautstark gemischte Gefühle beim Erscheinen des Regie-Teams. Aber Zweifel daran, dass es nach dieser finalen Spottgeburt der Spießer-Paarung in der „Götterdämmerung“ spannend werden muss, kann es eigentlich nicht gegeben haben.
