Doch es stehen Weltklassesänger auf der Bühne, die – in Rollendebüts! – den ganzen Abend tragen: Allen voran Anja Harteros. Nicht nur gönnt Verdi der Leonora die größte musikalische und charakterliche Entwicklung – auch wenn sie im gesamten, langen dritten Akt nicht auftritt -, die Harteros erfüllt das mit soviel musikalischer Intensität dank ihres in jeder Lage bis hin in die fantastisch gerundeten Spitzentöne so gehaltvollen Soprans. Jonas Kaufmanns dunkel geerdeter Tenor als Don Alvaro passt zu dieser Stimme, als wäre er dafür gemacht. Wenn die beiden zusammen auf der Bühne sind (was leider selten ist in dieser Oper), dann ist das Glück vollkommen, aber auch wenn Kaufmann auf den hasserfüllten Bruder Don Carlo di Vargas in Gestalt des großartigen, herrlichen Verdi-Baritons Ludovic Tézier trifft, ereignet sich ganz große Oper und sogar Vitalij Kowaljow in der Doppelrolle des bösen und des guten „Padre“, also als Marchese di Calatrava wie Padre Guardiano überzeugt mit warmem, intensivem Bass. Nur schade, dass Asher Fisch das Staatsorchester oft allzu simpel lärmen lässt und kaum je Feinschliff oder sehnige Flexibilität des Klangs erreicht.
_Kostenloser Livestream am 28. Dezember 2013 (18 Uhr) über www.staatsoper.de/tv_
