Aber natürlich ist „=[Ungefähr gleich]“ keine papierene Theorie. Der Autor markiert in kurzen, trickreich verzahnten Szenensplittern das Scheitern realer Menschen in und an der realen Wirtschaftswelt – ein Junge bekommt trotz guter Bildung keinen Job, nur als Aushilfe im Kiosk an der Ecke; die Angestellte dort hasst die eigene Arbeit und würde viel lieber einen Öko-Hof bewirtschaften; der Mann dieser Frau bekommt als Wirtschaftsdozent an der Uni keine feste Anstellung. Und eine Frau schubst eine andere vors Auto, um erst die Ersthelferin zu mimen und dann deren Tasche zu klauen. Ihnen allen steht Peter gegenüber, ein Bettler, der nie auftritt, von dem aber immer wieder die Rede ist; der Dozent sieht ihn schon als Lover der Gattin. Lebt dieser Peter womöglich frei, da er sich ja den Geld-und-Wert-Theorien zu entziehen scheint? Und hilft womöglich nur der eigene Tod gegen den Zwang der Wirtschaft? Mani, der Ökonom, imaginiert ihn – nach der letzten Vorlesung, an deren Ende er die Studierenden auffordert, mit dem erworbenen Wissen aufzustehen, raus zu gehen und gefälligst die Welt zu verändern.
Kheimiris Stück hat das Zeug zur klug gewichteten Versuchsanordnung. Und Anne Lenks Inszenierung folgt ihm zunächst auch – mit Judith Oswalds sehr starker Bühne: einer Industrie-Waage in Wippen-Form, auf der zu Beginn ein Kupfer-Berg von abertausenden Ein-Cent-Münzen thront. Die Menschen (also die vier Ensemble-Mitglieder) zerstören dieses Gleichgewicht, sie müssen es am Ende durch das eigene Körper-Gewicht -und also ohne Geld!- wieder herstellen. So klug agiert und akzentuiert die Aufführung aber nicht immer. Den Schoko-König van Houten lässt sie als sprechenden Schoko-Riegel, die amerikanische van-Houten-Ergänzerin gar als etwas dummerhafte Miss Piggy aus der Muppets Show auftreten. So kommt ohne Not erstaunlich viel Unernst ins Spiel; und das bekommt dem Gesamt-Gefüge überhaupt nicht. Auch die Ensemble-Kräfte um André Szymanski herum mühen sich mehr um Kheimiris Personal, als dass sie es schärfen und fokussieren könnten.
So bleibt am Ende vor allem die Hoffnung auf weitere Versuche mit diesem an sich recht viel versprechenden Stück.
