Das erste der sechs Bilder zeigt eine antike Ruinenlandschaft. Unbekümmert bevölkern Jugendliche das Areal. Mit kindlicher Scheu umspielen einander Orpheus und Eurydike (zauberhaft jung: Wencke Kriemer de Matos) – bis Randalierer und wilde Tiere hereinstürmen. Brutalität, Vergewaltigung und Mord greifen Platz. Auch Eurydike kommt um. Hades‘ finstere Vasallen reklamieren die Beute. Apoll stellt sich schützend vor Orpheus. An der Bühnenrampe entrollen sich von oben fünf Schnüre – Saiten der Leier, mit deren Erklingen Orpheus zum Friedensstifter werden soll. Wie Henze im 3. Bild Monteverdis „Orfeo“ zitiert, so schlägt auch Wieland mit einer lädierten Apoll-Statue den Bogen zurück zu unseren Altvorderen, findet gleichzeitig unpathetische Bilder aus unserem Heute. Wer sich vom tragischen Orpheus-Bild löst, wird eine kleine Sternstunde zeitgenössischen Tanztheaters genießen können. Denn erst diese Choreografie verleiht Henzes „Ballettmusik“ Glanz.
