Diese dramatische Konstruktion ist überzeugend schlicht. Etwas aufdringlich wirkt die stets präsente Brillenmetapher. Die Lust, aus der Vereinzelung auszubrechen, wird mit dem Wunsch illustriert, durch eines anderen Brille schauen zu wollen. Obwohl doch gerade dann nichts zu sehen ist, da die Brechkraft fremder Gläser zu den eigenen Augen nicht passt und alles verwischt. Eher verzaubernd wirkt die spartanische Werkstattinszenierung auf dem schmalen Pfad zwischen zwei Zuschauerblöcken. Obwohl es keine vielschichtigen Persönlichkeiten, nur Thesenträger der Vereinzelung gibt, setzt Uraufführungsregisseur Dariusch Yazdkhasti nicht flott auf witzig schrille Abrechnung. In zart karikierenden Kostümen und mit sanfter Ironie darf sich das Ensemble den Figuren nähern. Alle Darsteller folgen den Monologen und dem als Dialog getarnten Aneinandervorbeireden mit viel Sympathie – bis zur Empathie. Schmunzelnd merkt man beim Zuschauen, dass mit der Eintrittskarte auch eine Brille der Menschenfreundlichkeit ausgehändigt wurde. Kein Wunder, dass einem Edith, Maria, Carl, Bruno, Laura ans Herz wachsen – während das politische Theater drumherum verschwimmt.
