Das liegt nicht an den Musikern, wie gewohnt überzeugt das von Gustav Kuhn klangschön und formbewusst geleitete Festspielorchester. Die von Marco Medved einstudierte Chorakademie (unter Mitwirkung der Capella Minsk) macht ihre Sache auch weitgehend gut. Doch leider sind zwei wesentliche Partien dieser Lohengrin-Premiere zu schwach besetzt. Mona Somm klingt als sinistre Ortrud wirklich grenzwertig, Andrea Silvestrelli singt König Heinrich auf den Trümmern seines ehemals profunden Basses. Auf der Habenseite steht das hohe Paar: Ales Brisceins Lohengrin, mit hellem, klaren Tenor (der ein bisschen an Klaus Florian Vogt erinnert) und Susanne Geb als lyrisch zarte Elsa. Exzellent auch Michael Kupfers Heerrufer und Oskar Hillebrandts Gestaltung des Telramund. Claudia Czyz gibt den Schwan, ja richtig, das immer schwierig zu inszenierende Tier erscheint hier als (schwarz gekleidete) Tänzerin. Sie hat später ein blondes Kind im Schlepptau, das allerdings nicht neuer Herrscher von Brabant wird, sondern der Schwan selbst zieht sich was hübsches Goldenes an und übernimmt (vielleicht?) die Macht. Ein unklares Ende. Vorher bewegen sich immer wieder langsam ein paar schwarze Kugeln am Bühnenhimmel, die Protagonisten agieren ähnlich statisch-statuarisch und tragen sehr bunte Ethno-Kleidung.
Einige Dutzend Erler Kinder mimen recht hübsch einen Haufen Hochzeitspaare. Das Problem dieser Premiere liegt im zu oratorischen Auftreten der Chöre, so wird der Abend streckenweise zu einem wirklichen Passionsspiel – man braucht viel Ausdauer und gutes Sitzfleisch.
