Nun also Hansgünther Heyme, der neben der Regie auch die Ausstattung übernommen hat. Er arbeitet auf einer Einheitsbühne, deren Rückwand in den Revolutionsfarben Schwarz-Rot-Gold gehalten ist und die ansonsten eher den Charakter einer Werkstattproduktion hat, mit Brecht‘schen Verfremdungs-Effekten. Heyme schafft so eine Distanz zu dem Geschehen, das zwar von streikenden Arbeitern und einer Freiheitshymne eingekreist wird, in dessen Mittelpunkt jedoch die Dreiecksgeschichte zwischen der Titelheldin, der Tochter des Fabrikbesitzers Simon, und ihrem Bräutigam Richard sowie dem sie zur Frau begehrenden Vorarbeiter Stephan steht. Heyme macht daraus eine Schulstunde. Schon zu den Klängen der Ouvertüre nimmt ein Junge seinen Platz an einer Bank ein. Geschichtsunterricht mal anders: Akteure auf der Bühne spielen Revolution, Anarchie, Räuberpistole. Und am Ende wehen die schwarz-rot-goldenen Fahnen – und die Utopie ist Wirklichkeit geworden? So naiv ist Heyme dann doch nicht. Vielmehr zeigt er eine von dem Geschehen völlig traumatisierte Heldin, die wie ein Fremdkörper in diesem Jubelmeer der nationalen Begeisterung wirkt.
Uwe Sandner am Pult des Pfalztheaterorchesters versucht, Lortzing aus der Biedermeierfalle zu befreien. Das gelingt nur bedingt. Zum einen gibt es auch in der „Regina“-Partitur Passagen, die nicht wirklich nach avancierter Musik klingen. Zum anderen ist das Pfalztheaterorchester – im Unterschied zu dem von Ulrich Nolte vorbereiteten Chor – am Premierenabend schlichtweg nicht in Bestform. Es wackelt zwischen Bühne und Graben, Ensembleszenen sind oftmals nicht zusammen. Hinzu kommen Unkonzentriertheiten beispielsweise im Blech.
Das bestätigt sich leider auch stimmlich. Wirklich überzeugen können eigentlich nur Christoph Stegemann als Simon und der eindrucksvolle Daniel Henriks als Stephan. Daniel Ohlmann hat mit einer angekündigten Indisponiertheit arg zu kämpfen und muss vor einigen Spitzentönen kapitulieren. Bei Adelheid Fink in der Titelpartie wechseln Licht und Schatten. Ihr gelingen wunderbar gestaltete Momente, andererseits stört man sich gerade in der Höhe an einigen Schärfen.
