Peer Gynts Tanz ist zunächst vor allem wild und ungestüm, voller Überschwang breitet er wiederholt an den Bühnenrand rennend die Arme aus. In himmelschreiender Expressivität verliert er, an Seilen hochgezogen, den Bühnenboden unter Füßen, als er die Grüngekleidete trifft, die ihn anschließend unter Deck, in die lustvolle Orgie der Trolle entführt. Doch die Stimme des Knopfgießers, hier in Form eines umherschwingenden Megaphons, fragt ihn peinigend nach dem Selbst, das er sucht und nicht finden mag. Nach und nach, mit steigenden Leidenserfahrungen, zeugt sein Tanz zunehmend von Gebrochenheit. Dass Solveig ein glücklicheres Schicksal bedeutet hätte, erkennt er erst, als es zu spät ist, und der Knopfgießer schon darauf wartet, seine Seele einzuschmelzen.
Dieser Abend ist eine feine Charakterstudie, die die literarische Vorlage nicht einfach nur nacherzählt – Gregor Zöllig hält ihr eine klare Haltung entgegen, besinnt sich auf die emotionalen Schicksale der Geschichte, in die sich die Bielefelder Tänzer sehr sensibel einfühlen. Die Choreographie zeigt die heftigen Emotionen der Figuren in einer einfallsreich gestalteten Bühne (Hank Irwin Kittel, auch Kostümbild), und auch das Licht (Johann Kaiser) vermittelt auf außergewöhnlich intensive Art die Atmosphäre. Hier ist keine Szene überflüssig, jede inszenatorische und choreographische Idee scheint von einer konzeptuellen Logik durchdrungen. Das Bielefelder Publikum dankte mit langem Jubel und stehenden Ovationen.
