Ihn gibt Julia Windischbauer in spaciger Glitzerhose und giftgrünem Pullover – nur ihre Worte und ihre Körperlichkeit verraten ihre Staubsauger-Identität. Sie trippelt wie ein Roboter, schwingt die Arme, ihre Finger machen Knet- und Saugbewegungen. Wenn sie in Betrieb ist, singt sie eine Staubsauger-Arie inklusive aller Blas- und Sauggeräusche. Grotesk-komisch.
Dieses Spiel mit Gesten, mit Physis versus Sprache, ist Teil dessen, was Okada so weit über die Grenzen Japans hinaus berühmt gemacht hat. Oft sind seine Arbeiten streng stilisiert, erinnern in der Körperlichkeit mitunter an das traditionelle japanische Nō-Theater: tänzerische Bewegungen, die nichts mit realistischem Schauspiel oder psychologischem Theater gemein haben. Der Körper führt ein Eigenleben, geht nicht mit den Worten synchron, hat seinen eigenen Rhythmus. Die Diskrepanz zwischen Körper und Sprache haben freilich schon viele Regisseure in den vergangenen Jahrzehnten aufgegriffen, sie ist elementarer Teil der Postdramatik – wo der Text weniger gilt als das, was der Körper erzählt. Trotzdem kann dieses Spiel in Okadas Arbeiten einen eigenen Reiz entwickeln, wenn eine rhythmisch-gestische Choreographie entsteht. Diesem Abend allerdings geht der Rhythmus völlig ab, die Schauspieler illustrieren schlicht ihre Worte mit großen Gesten – mal mehr, mal weniger konsequent, manchmal gar nicht. Es wirkt unentschieden, inkonsequent.
Doch man muss klar sagen: Dies ist nicht die Beurteilung einer Inszenierung, sondern der Aufzeichnung einer Inszenierung. Vieles von dem, was Kritiker an diesem Abend gelobt haben, ist schwer auf den Bildschirm zu übertragen. Etwa die Wirkung der Langsamkeit. So gut wie nichts geschieht in den gut anderthalb Stunden, es wird lediglich der Körper gymnastisch verrenkt und viel geredet – über substanzielle Dinge: Wut, Schuld, Selbstverletzung. Über die Sinnlosigkeit des Alltags, die Einsamkeit der Menschen, die im Leistungs- und Konsumsystem abgeschnitten voneinander leben. Die Poesie und Zärtlichkeit, Okadas Humor, sind über den Bildschirm nicht zu spüren. Im Gegenteil: Die Aufzeichnung wirkt eher ermüdend.
Das Video bleibt also ein schwacher Ersatz für das Gastspiel beim Theatertreffen. Toshiki Okada sollte man bei dieser Bestenschau als prominente ästhetische Stimme durchaus einmal vorstellen. Ob allerdings gerade der „Vacuum Cleaner“ mit seinem unmotiviert und ziellos wirkenden Spiel zu Okadas besseren Arbeiten zählt, darf man dennoch bezweifeln.
