Zu Beginn des eineinhalbstündigen, ohne Pause gespielten Abends zeigt eine Videoprojektion eine italienische Fähre, auf der Flüchtlinge und Helfer in Schutzanzügen zu sehen sind. Der stählerne Bühnenraum von Barbara Ehnes erinnert an einen Schiffsrumpf (Video-Design: Chris Kondek). Baumgarten wählt konkrete Bilder, um die fragmentarischen, grotesken Szenen historisch zu verorten. Im zweiten Teil macht der Regisseur aus Ophelia Ulrike Meinhoff und ruft das RAF-Gefängnis in Stuttgart-Stammheim in Erinnerung. Im dritten findet sich Heiner Müller in Andy Warhols New Yorker Factory wieder, wo er auf die westliche Partygesellschaft trifft und vom Kapitalismus verstört zurückgelassen wird. Das DDR-Sandmännchen zeigt im Video zum großen Schlagzeug-Crescendo des Orchesters den Stinkefinger, bevor der Züricher Chor im vierten Teil mit Pegida-Kreuz und Baseballschlägern für Aufruhr sorgt. So gut manche Bilder im einzelnen funktionieren – sie hinterlassen kaum Spuren im weiteren Verlauf das Abends. Die zu Beginn prominent gestellte Flüchtlingsfrage wird, abgesehen von einer Europa-Tischdecke und den Pegidas, nicht mehr aufgegriffen. Auch fehlt es an Zuspitzung, um zu verstören, und an Prägnanz, um zu verfangen. Mit Guantanamo wird im vierten Teil nochmals ein neues Fass aufgemacht. In Zürich quälen die weiblichen Häftlinge in den orangefarbenen Anzügen ihre schreienden Wärter (Kostüme: Marysol Del Castillo).
Ein richtig großer Wurf ist der Abend nicht. Dennoch gelingt dem Opernhaus Zürich mit Rihms „Hamletmaschine“ ein szenisch respektabler, musikalisch hochspannender Musiktheaterabend, der zwar nicht lange, aber heftig bejubelt wird. Und der sichtlich zufriedene Wolfgang Rihm verteilt Kusshändchen.
