Ludger Vollmers Musik vereint rhythmisch-musicalartige Klänge mit einigen dissonant-dramatischen Zwischenspielen, eine ungebremst emotionale Partitur wie ein toller Kinosoundtrack. Fuad Ibrahimov findet am Pult des Gürzenich-Orchesters das richtige Maß, bringt die aufwühlenden Qualitäten zur Geltung, umschifft die Klippen des Kitsches. Die Hauptpartie der fliehenden Makaria hat Vollmer sehr anspruchsvoll komponiert – und in der jungen Sopranistin Gloria Rehm aus dem Kölner Opernstudio eine perfekte Besetzung gefunden. Sie hat die glitzernd-verführerische Geläufigkeit einer Soubrette und Kraft in dramatischer Höhe. Ausgezeichnet gestaltet ebenfalls der seit 50 Jahren im Kölner Ensemble singende Werner Sindemann als Iolaos, den fernen Freund, zu dem die Geschwister fliehen. Elena Tzavaras Inszenierung geht nicht an Schmerzgrenzen, bleibt in der Darstellung von Angst und Gewalt eher behutsam. Doch es ist ihr eine stimmige, packende Aufführung gelungen, unterhaltsam, griffig und auf hohem Niveau. Diese Jugendoper hat alle Chancen, oft nachgespielt zu werden.
