Während Thalheimer in der vergangenen Spielzeit Hauptmanns „Weber“ am selben Theater in nur einem Ton durchbrüllen ließ, gesteht er den Loherschen Figuren ein größeres Ausdrucksspektrum zu. So ist die blinde Stripteasetänzerin Absolut bei Katrin Wichmann eine durchaus „realistische“, gut geerdete Person. Ingo Hülsmann dagegen darf die Philosophin zu einer grotesk stilisierten Weltverächterin überspitzen; blutig ermordet sie ihren Mann, als sauge eine gierige Spinne eine Fliege aus. Bert Wrede unterlegt den Abend mit zwei, drei Melodien, die in Endlosschleifen repetiert werden.
Thalheimers Methode, einen Text auf sein Wesentliches zu reduzieren, erweist sich hier als sinnvoll: Bevor sich das Stück in Stimmungen und Einzelheiten verliert, arbeitet der Regisseur aus Lohers tragikomischen Figuren deutliche Gegenpositionen heraus: Die einen wollen glauben und verirren sich im Wahn, allem einen Sinn geben zu können. Die anderen verzweifeln an der Sinnlosigkeit der Welt oder erheben die Naturwissenschaften zum neuen Glauben. Durchweg prägnant das zwölfköpfige Ensemble.
Ein Abend, der überzeugen kann. Die Regie hält kühle, künstliche Distanz zu den Schicksalen auf der Bühne, ohne doch die emotionalen, manchmal auch sentimentalen Töne des Stücks völlig zu eliminieren. Thalheimer und Loher – diese Annäherung hat sich gelohnt.
