Das mag an der disparaten, nicht durchgängig geschmackssicheren Optik der Inszenierung liegen. Hans Schavernoch hat eine malerisch gekippte Kirchenruine auf die Bühne gestellt, hinten abgeschlossen durch einen pittoresken Prospekt mit laublosen Bäumen. Gelegentlich werden Videos zur Verdeutlichung eingesetzt, etwa ein stilisiertes Dickicht auf dem Zwischenvorhang, Stummfilmzitate im zweiten Akt, um die deutsche Feierstimmung zu verdeutlichen oder endloses Schneetreiben im Schlussakt, in dem Sussanin im Winterwald von den feindlichen Soldaten schließlich hinter einer geborstenen Glocke umgebracht wird. Die Kostüme von Yan Tax segeln mit Pelzmütze und Bauernkittel auf andere Weise hart am Klischee. Konkret gesprochen: Harry Kupfers Inszenierung pendelt unentschieden zwischen magischem und psycholgischem Realismus hin und her und erfasst so weder das Stück noch seine Figuren. Was sich besonders im abschließenden Jubelepilog schmerzlich niederschlägt, der nichts ist als haltungslose Figurenanordnung. Und das von einem Regisseur, dessen Markenzeichen etliche Jahre lang nicht nur die plastische Personenführung, sondern vor allem der eigenständige, nicht selten ideologiekritische Stückzugriff war.
Auch Sebastian Weigle hat als Frankfurter GMD schon größere Abende gehabt. Er dirigiert stets tonschön, arbeitet den immensen Farbenreichtum der Partitur mit dem bestens disponierten Orchester und dem musikalisch hervorragenden Chor kundig heraus, lässt aber theatralische Vitalität vermissen. In der Titelrolle bringt John Tomlinson große Ausstrahlung, eine immer noch imposante Bühnenerscheinung und seinen schartig gewordenen Ausnahmebass ein. In den szenisch nicht eben dankbaren Frauenrollen begeistern Kateryna Kasper mit silbrig-frischem Sopran und besonders Katharina Magiera als Sussanins Adoptivsohn mit wunderbar leicht ansprechendem, so geläufigem wie expansionsfähigem, sehr lyrisch geführtem Alt.
