Was wie eine Blutrache-Endlosstory anhebt, kreist bald um die Frage nach den seelischen Folgen der Fremdbestimmtheit des Handelns und dem Dilemma einer schuldlosen Schuld. Orest hat den Mord an seiner Mutter hinter sich, und damit auf Geheiss des Gottes Apollo/Dionysos deren Mord an Agamemnon gerächt. Tomasz Zagorski taucht im Pelz und schmuckbehängt wie ein Zuhälter auf. Er will Orest (mit Mut zum Hässlichen: Bjørn Waag) genauso wie seine im Racheterrorwahn aufblühende Schwester Elektra (furios: Khatuna Mikaberidze) zu immer neuen Morden antreiben. An der heimgekehrten Helena (Dorothea Maria Marx) etwa. Die wird bei Lübbe mit Eimern voller Blut überschüttet bis sie tot am Boden liegen bleibt. So wie auch all die Wiedergängerinnen von Klytaimnestra. Aus all der beklemmenden Wucht der Rachemorde führt kaum ein Weg heraus. Es sei denn, einer löst sich vom Rachegesetz und dem Machtanspruch der Götter. Was Orest versucht, nachdem er Helenas unschuldige Tochter Hermione (als personifizierte Unschuld: Romy Petrick) nicht zu ermorden vermochte, als er ihr in die Augen gesehen hatte. Die beiden schaffen es auszusteigen. Sie treten durch den gleißenden Neonrahmen vor an die Rampe. Drinnen freilich ist der Platz von Orest schon wieder besetzt. Und der fürchterliche Aufschrei vom Anfang wiederholt sich.
