Weil die Möglichkeiten der Festivalbühne ansonsten so eng beschränkt sind, jenseits von Gitterwand und Freitreppe, ist Optik hier so wichtig – sie vor allem stiftet Konzentration auf den effektiv gekürzten Text. Lange nicht kam dieser komplizierte Schiller-Text so schnörkellos und direkt daher; und die Mikroport-Verstärkung, sonst eher eine der modernen Geisseln im Theaterbetrieb, wirkt hier eher hilfreich. Klar fokussieren Gerit Kling und Marie-Therese Futterknecht als Elisabeth und Maria die Profile – als Frauen der Macht und dabei beide eher zeitgenössisch und modern, beide aber auch getrieben: von verletztem Stolz in tödlicher Bedrohung die eine, von unterdrückten Ängsten die andere. Glück ist keiner beschieden.
Schillers Gedankendrama über politische Strategien und menschliche Schwächen, irrende Liebe und die Abgründe der Macht bleibt noch in den eher anstrengenden religiösen Unterfütterungen gegen Ende potent und präsent – und es lohnt unbedingt, gerade im sommerlichen Festspielbetrieb auf Herausforderungen dieses Kalibers zu setzen. Holk Freytag wird in Bad Hersfeld immer härter darum kämpfen müssen – denn die Streichung von 400.000 Euro im Etat der Festspiele, geplant schon für diese Saison und gerade noch abgewehrt, nun angedroht für’s nächste Jahr, würde ganze Produktionen eliminieren. Und welche wären das wohl – beim Einnahme-Soll von 70 Prozent? Der furiose Beifall aber für einen harten Brocken wie diesen lässt auch in Hersfeld hoffen.
