Da ist die erste große Szenen der Liebenden Max und Anita (Larissa Krokhina), in der das Klavier den Gesang sehnsüchtig begleitet, ehe er in einen dramatischen Abschied mündet. Gleich drauf ist man in einem Hotel, wo das Stubenmädchen Yvonne (Steffi Lehmann) zu jazzig-rhythmischen Klängen den Schrubber schwingt, und der elegante Geigenvirtuose Daniello (Björn Waag) von einer Fanmenge bedrängt wird und wenig später die Stimme der Sängerin Anita besingen wird. So geht es in dieser etwas verwickelten Geschichte und verlorene Liebe und eine gestohlene Geige immer auch um die Musik, die mal weich und melodisch ist, dann geben die Bläser höhnische Kommentare ab, kommen aus dem (Radio-)Lautsprecher jazzig-flinke Klänge, die vom Orchester aufgenommen werden. Die Staatskapelle Weimar unter Martin Hoff läßt Kreneks Musik in allen ihren Facetten funkeln und auch die Sängerdarsteller überzeugen.
Alexander Günther als grübelnd-melancholischer Komponist, der zu Beginn des zweiten Aktes in einem langen Solo, das er souverän trägt, die Liebe zu Anita besingt und zugleich deren Fortbleiben fürchtet. Selbst das etwas Raunende, als er später in den Gletscher steigt und der mit ihm spricht, macht er glaubhaft. Und aus solchen dicht-intensiven Szenen geht es in der knapp dreistündigen Inszenierung dann wieder in das komisch-wilde Durcheinander des Bahnhofs, von der Musik augenzwinkernd angetrieben, von wo es in die große Freiheit gehen soll. Doch bevor es dazu kommt – und das kann wie alles vorher Realität, Traum, Illusion gewesen sein – bricht erst mal die Welt und mit ihr das Bühnenbild auseinander.
