Medientipp: Ein Buch zum 25. Jubiläum der Autor:innentheatertage

Von Andreas Falentin am 15.06.2022 • Bild: Cover „Das Glück, zu sprechen...“, Alexander Verlag Berlin
Das Bild zeigt: Das Glück, zu sprechen, ohne zu wissen, mit wem

Jubiläen müssen gefeiert werden. 25 Jahre sind die Autor:innentheatertage jetzt alt. 1997 hat Ulrich Khuon sie als Intendant in Hannover gegründet und dann zu seinen weiteren Stationen am Hamburger Thalia Theater und, seit 2010, am Deutschen Theater Berlin, mitgenommen.

„Das Glück zu sprechen, ohne zu wissen, mit wem“ mit dem Untertitel „Autor:innen, Theater, Texte“ ist eine wunderbar heterogene Anthologie geworden. Eine schreibende Stimme aus jedem Jahrgang ist jeweils mit einem kurzen Text vertreten, dazu fünf ausgewählte Jury-Reden und eine Fotoauswahl von Arno Declair, der  viele Jahrgänge des Festivals begleitet hat. Und die Auswahl ist glücklich. Das von Bernd Isele redigierte und vom Deutschen Theater herausgegebene Bändchen erzählt viel über die Bedeutung der Autorentage, allein durch die Namen, von Anja Hilling bis Sivan Ben Yishai, von Nuran David Calis bis Rosa von Praunheim, von Miroslava Svolikova bis Lukas Bärfuss. Fast alle sind wichtige Autorinnen und Autoren geworden für das Theater im deutschsprachigen Raum.

Ihre Texte erzählen, gerade in der klugen Zusammenstellung und Reihung, viel über den Zustand unseres Theaters. Da dominiert durchaus immer wieder mal die Form den Inhalt, dürfen wir uns fragen, warum hier im Block gesetzt, da alles klein geschrieben wird, obwohl es die Lesbarkeit nicht befördert. Da ist viel Lebendigkeit, Suche, Aufbruch. Da schreiben einige ausschließlich über sich selbst, andere über „Theater“ oder über die Welt, wobei für einige, und das ist sympathisch, dieses „Theater“ ihre Welt zu sein scheint.

Nicht alle Texte erfreuen, nicht alle bewegen, und jeder der liest, wird andere Lieblinge haben. Denn alle haben sich, glaube ich nach der Lektüre, der Aufgabe gestellt, sich reflektierend und/oder künstlerisch mit ihrem Beruf, eben dem des Dramatikers zu befassen. Ich persönlich mag gleich den ersten Text sehr, weil Ulrike Syha so leicht, so charmant und liebevoll über den Arbeitsplatz Theater schreibt. Ich mag ein paar Zeilen aus Albert Ostermaiers fast pathetischem Gedicht: „…die eiserne wand die keine / vierte mehr ist das licht / dein zeichen aus der Rolle zu / fallen“. Ich musste lachen bei John von Düffels wirklich lustiger und leidenschaftlicher Bewerbung um eine Theaterintendanz und schmunzeln bei Steffen Kopetzkys Begründung, warum er doch kein Dramatiker geworden ist. Ich bewundere Laura Naumanns scharfsichtigen, auch haltungsstarken Blick aufs Jetzt und Hier inklusive ihrer Zweifel. Ich freue mich an der ganz echt wirkenden Bescheidenheit, aus der heraus der 2011 verstorbene Filmkritiker und Juror Michael Althen über das Theater spricht. Und ich frage mich wirklich, wie es möglich ist, dass zwei Menschen mit derartig unterschiedlichem Humor wie Michel Decar und Jakob Nolte (zumindest lese ich den in ihren Miniaturen) gemeinsam Theaterstücke schreiben.

Wie gesagt, Sie werden vermutlich andere Favoriten haben. Aber die Lektüre lohnt sich in jedem Fall. Sie werden Lust bekommen, mal hinzugehen zu den Autor:innentheatertagen, deren 25. Ausgabe gerade läuft, mit der Präsentation der ausgewählten Stücke von Raphaela Bardutzky, Amir Gudarzi, Alexander Stutz und Paula Thielecke am 18. Juni. Wir werden im Augustheft der DEUTSCHEN BÜHNE darüber berichten.

„Das Glück, zu sprechen, ohne zu wissen, mit wem“, herausgegeben vom Deutschen Theater Berlin (Redaktion: Bernd Isele)
erschienen am 15. Juni 2022 im Alexander Verlag Berlin, ISBN: 978-3-89581-593-5
Das Buch hat 232 Seiten und ist zum Preis von 12 € im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich