Zum 80. Geburtstag von Manfred Jahnke

Seit Jahrzehnten prägt der Autor Manfred Jahnke die Theaterkritik im süddeutschen Raum. Eine Würdigung von Wolfgang Schneider, seinem Weggefährten und langjährigen Vorsitzenden der ASSITEJ.

Kaum jemand kennt sich seit fünf Jahrzehnten so gut in der Kinder- und Jugendtheaterlandschaft aus wie er, wichtige Uraufführungen werden von ihm besucht, relevante Premieren in Augenschein genommen und unzählige Festivals konnten mit seinen Reflexionen rechnen: Dr. Manfred Jahnke, der unangefochtene Nestor der Theaterkritik für junges Publikum, Kulturjournalist, Dozent für Dramaturgie, Theaterpädagogik und Szenisches Schreiben. Ende Oktober wird er 80 Jahre alt. Und ist immer noch unterwegs, seit 1981 auch als freier Mitarbeiter für DIE DEUTSCHE BÜHNE, früher für die Stuttgarter Zeitung, die Schwäbische Zeitung und  die Badische Zeitung.

Zwischen Festivals und der ASSITEJ

Uns verbinden viele gemeinsame Zeiten im Theater für Kinder und Jugendliche, bei Festivals, auch schon mal mit bis zu fünf Aufführungen am Tag (und in der Nacht). Auch haben wir viel zusammengearbeitet, bei der ASSITEJ, dem Verband der Kinder- und Jugendtheater, national und international, vor allem bei Projekten des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland. Manfred Jahnke war 1991 Juror beim ersten Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen „Augenblick Mal!“ im wiedervereinten Berlin und 1994 konnte ich ihn für die Redaktion von „Reclams Kindertheaterführer“ gewinnen. „100 Stücke für eine junge Bühne“ beschreiben Inhalte, Autorinnen und Autoren sowie Werk- und Inszenierungsgeschichte und verzeichnen damit erstmals ein deutsch-deutsches Repertoire zielgruppenspezifischer Dramatik.

In den 25 Jahrbüchern „Grimm & Grips“ der ASSITEJ befasst sich Manfred Jahnke mit vielen Fragen der Theaterarbeit in den sogenannten Freien Gruppen und den aufstrebenden Sparten der Stadt- und Staatstheater. 1988 stellte er fest: „Die Spielpläne der bundesdeutschen Kinder- und Jugendtheater sind international geworden“. Er thematisiert die Entstehungsgeschichten, diskutiert beispielhaft die Rezeption von schwedischen und niederländischen Stücken, problematisiert deren „Aneignungsformen“ und warnt davor, das ästhetische Interesse nicht von den Inhalten abzulösen. Viele seiner Beiträge, auch im Kindermedienmagazin „Fundevogel“ und der ASSITEJ-Zeitschrift „IXYPSILONZETT“ als Beilage von „Theater der Zeit“, markieren die Transformationsprozesse des modernen Theaters für junges Publikum. Sie begleiten kritisch die Diskurse und zeugen nicht nur von hoher Sachkenntnis des Autors, sondern auch von dessen Engagement für eine permanente künstlerische Weiterentwicklung.

Vermittler zwischen Theater und Publikum

Schon 1995 erhielt er für seine langjährige publizistische Arbeit den ASSITEJ-Preis. In der Begründung heißt es: „Vom Theater kommend und das Theater liebend, ist er immer ein Vermittler zwischen Theater und Publikum geblieben und versuchte, seine Leser und nicht selten auch die Redakteure (…) für das Kinder- und Jugendtheater zu begeistern.“ 2001 erschienen unter dem Titel „Kinder- und Jugendtheater in der Kritik“ gesammelte Rezensionen, Porträts und Essays von Manfred Jahnke in einem Band der Reihe „Kinder-, Schul- und Jugendtheater“. Beim Lesen der Texte wird deutlich, dass der Journalist immer wieder einem Auftrag als Kritiker gerecht werden will. Theater für junges Publikum soll über die Tagesaktualität hinausdenken, nicht dem Geschmack von Erziehungsberechtigten und Pädagogen gefallen, sondern Kindern und Jugendlichen Geschichten bieten, die von einem selbstbestimmten Leben erzählen.

2012 attestierte der Dramaturg Christian Schönfelder in seinem Beitrag unter dem Titel „Wanderer zwischen den Welten“ in der Publikation „Schöne Aussicht“ (in Anlehnung an die Biennale in Stuttgart) Manfred Jahnkes kritischer Begleitung der Szene in Baden-Württemberg eine große Bedeutung. Die Kinder- und Jugendtheater stünden heute möglicherweise anders da, wenn Manfred Jahnke nicht mitdiskutiert, kritisiert, bisweilen polemisiert und sich immer wieder publizistisch für die Förderung des Genres engagiert hätte.

Vom erträumten Seefahrer zum Theater

Eigentlich träumte Manfred Jahnke, in Holstein als Enkel eines Binnenschiffers aufgewachsen, davon, später einmal zur See zu fahren. Aber schon die Theater-AG in der Schule und die Studien der Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Hamburg, München und Berlin weckten das Interesse an den Darstellenden Künsten. Und mit der Promotion „Von der Komödie für Kinder zum Weihnachtsmärchen“ (1977) hatte er seine Berufung gefunden. Beruflich war er unter anderem als Dramaturgieassistent beim Grips Theater und als Chefdramaturg an der Badischen Landesbühne Bruchsal tätig und kümmerte sich im Kulturamt Offenbach unter anderem um Theatergastspiele für Kinder und Jugendliche.

Dass er auch noch segensreich in der Ausbildung tätig war, an der Theaterakademie Ulm, drei Jahrzehnte lang mit einem Lehrauftrag zur Dramaturgie des Theaters für junges Publikum an der Universität München, sei auch noch erwähnt. Manfred Jahnke lebt mit seiner Frau in Elchingen, wurde Vater von zwei Töchtern und freut sich heute über vier Enkel. Möge das Kinder- und Jugendtheater auch weiterhin Impulse von ihm erfahren dürfen.

Professor Dr. Wolfgang Schneider war Gründungsdirektor des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland sowie des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und ist Ehrenpräsident der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche, ASSITEJ.