Foto: Rote Phase bei „In beser Lage“ © Birgit Hupfeld
Text:Detlev Baur, am 26. September 2026
Die Komödie „In bester Lage“ markiert die Wiederöffnung des Schauspiel Köln nach episch langer Sanierung. Die Inszenierung von Intendant Kay Voges bietet eine starke Bühne, abwechslungsreiche Kostüme, einige schauspielerische Glanzlichter und lose Anknüpfungspunkte zu lokalen Baustellendramen – auf schmaler textlicher Basis.
Nach 14 Jahren geht der rote Vorhang des Schauspiel Köln am Offenbachplatz wieder hoch. (Kölsche Teenager konnten dieses Theater ihr Leben lang nie betreten!) Vorne an der Rampe steht zu Beginn von „In bester Lage“ ein Original-Dixi-Klo. Dieses deutliche Baustellen-Indiz wird in der Komödie von Kristof Magnusson und Gunnar Klack eine zentrale Rolle spielen. Schauplatz ist ein Haus beziehungsweise das Treppenhaus eines Gebäudes mit zehn Wohnungen.
Ein Wohnhaus als Exempel einer baufälligen Gesellschaft
Daniel Roskamp hat die wunderbar scheußliche Rückfront eines dreistöckigen Betongebäudes auf die Bühne gesetzt. Der Blick vom Parkett geht in den Innenhof mit seinen außen liegenden, verschachtelten Metalltreppen zu den Wohnungstüren. Die Treppen werden im Laufe der knapp zweistündigen Inszenierung immer wieder für Slapstick-Verstopfungen mit Paketen oder Leitern gut sein. Die „Komödie über das Trauerspiel im Eigentum“ versammelt eine kleine Gesellschaft aus Eigentümern und Mietern, die sich im baulichen Erhalt des Hauses, in privat-familiären Vorgeschichten oder einfach in Paketübergabe-Verwirrungen aufreiben. Die Figuren und ihre Dialoge des Stücks bleiben dabei oberflächlich und unkonzentriert, reißen das Exempel des baufälligen Gemeinschaftshauses in dieser Stadt und diesem Land klischeehaft nur an. Verbunden haben die Autoren in ihrem Auftragswerk die ewige Baustelle eines Hauses in Köln mit Anspielungen auf das Drama der Kölner Bühnensanierung.
Intendant Kay Voges baut in seiner Inszenierung von „In bester Lage“ sinnvollerweise weniger auf – ohnehin im Text nicht entwickelte – psychologische Feinheiten, sondern nimmt vielmehr das große Ganze einer in jeder Beziehung abgewohnten Gesellschaft in den Fokus, entwirft ähnlich wie in „Imagine“, seiner Einstandsinzenierung der letzten Spielzeit ein großes Gruppenbild. Und er setzt mit Arien-Einlagen des mehrfachen Airbnb-Gastes Hasti Molavian, mit kurzen ekstatischen Party-Szenen bei Bewohner Marlon Hudtwalcker (Jonas Dumke) oder mit immer wieder neuen Kostümgrundfarben (Kostüme: Mona Ulrich) unterhaltsame, choreografische Akzente.
Hausbewohner und der Herr der bösen Hausgeister (Uwe Rohbeck). Foto: Birgit Hupfeld
Anja Laïs spielt die egozentrische Doyenne des Hauses, die noch aus den alten Hausbeseterzeiten intime Beziehungen zu den gefragten Handwerkern pflegt und bei den Hausversammlungen das große Wort führt. Uwe Rohbeck ist der versammlungsfeindliche Dr. Mesmer, der gegen Ende als Super-Man-Mephisto die Fäden geisterhafter Handwerker zieht und die Macht im Hause übernimmt. Jonas Dumke versucht gar nicht erst eine Figur zu etablieren, sondern nutzt seine Szenen – etwa als ausdrücklich „hotte Person“, die sich ökonomisch und ökologisch alles herausnimmt in dieser Welt – um mit seiner starken Präsenz kurze schauspielerische Glanzlichter zu schaffen.
Baustellenrevue
Am Ende unternimmt Andreas Beck erfolgreich die Geisteraustreibung der Mesmerschen Baustellengeister. Damit ist die Inszenierung ein angemessenes Eröffnungsevent nach geisterhafter, langer Theaterpause. Allein, wegen einer übereifrig entfernten römischen Scherbe im (zuvor gefluteten) Keller senkt sich das Gebäude schließlich in den Unterboden. Was zeigt: Die Bühnentechnik im Schauspiel – anders als in der Oper nebenan – funktioniert. Das Spektakel vermischt in diesem Finale karnevaleske Motive mit Kölner Horror-Sanierungs-Drama. Für dramatische Glanzlichter lässt dieser Start noch Luft nach oben in der baulich hoffentlich stabilen Zukunft des Theaterhauses.