Wolfram Koch sitzt auf einem Plastikstuhl in „See aus Asche“

Neue Werkstatistik 2024/25: Konstanz der Theaterarbeit

Die neue Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins ist erschienen. Sie belegt für die Spielzeit 2024/25 eine bemerkenswerte Konstanz in der Theaterarbeit und ermöglicht zugleich einen Blick auf die Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre.

Die Zahlen der Werkstatistik 2024/25 belegen eine auffällige Stabilität im Vergleich zur vorangegangenen Spielzeit. Die Zahl der Inszenierungen in Deutschland ist gestiegen (von 6.368 auf 6.936). Die Aufführungszahl ist mit 74.679 gegenüber 74.794 nahezu unverändert. Und die Zahl der Besuche ist um fast 800.000 auf 20.854.689 angewachsen. Dieser Zuwachs ist angesichts der leicht rückläufigen Zahl der Aufführungen bemerkenswert und erfreulich. Er dürfte ein Anzeichen für die kontinuierliche Wiedergewinnung des Publikums nach dem massiven Einschnitt der Corona-Pandemie sein.

Während die Verschiebungen gegenüber der vorangegangenen Spielzeit nur bedingt sensationell sind – „Prima Facie“ von Suzie Miller holt bei der Anzahl der Inszenierungen Büchners „Woyzeck“ ein, in der Oper hat sich „Hänsel und Gretel“ vor „Die Zauberflöte“ geschoben – bietet diese neue Ausgabe der Werkstatistik die Möglichkeit, erstmals seit Einrichtung des Werkstatistik-Datenportals durch die Redaktion der DEUTSCHEN BÜHNE einen Zehnjahresvergleich vorzunehmen.

Mehr Frauen in der Regie

Die elfte Ausgabe zeigt: Der Anteil von Frauen in der Regie ist zwischen den Spielzeiten 2014/15 und 2024/25 um fast zehn Prozentpunkte auf 40 Prozent gestiegen. Im Schauspiel beträgt der Zuwachs sogar 10,5 Prozentpunkte auf 38 Prozent, im Musiktheater stieg der Anteil von 22,5 auf 29 Prozent.

Auch der Blick auf die Werke macht die schwindende Dominanz des Patriarchats in der Theaterlandschaft deutlich. Zwar bestimmen männliche klassische Autoren nach wie vor die Spielpläne in Oper und Schauspiel. Im Sprechtheater hat sich die Zahl der Shakespeare-Inszenierungen jedoch nahezu halbiert, während die Zahl der Bearbeitungen und Umschreibungen von Shakespeares Texten und Stoffen deutlich gestiegen ist. Ähnliches gilt für Goethes „Faust“: Die Zahl der Inszenierungen des Klassikers ist von 21 auf zehn zurückgegangen, während Bearbeitungen „nach“ dem Stück von drei in der Spielzeit 2014/15 auf 14 in der Saison 2024/25 angewachsen sind. In dieser Entwicklung lässt sich ein deutlicher Trend erkennen: weg vom klassischen Schauspielrepertoire und hin zu alternativen Formen der Auseinandersetzung mit dem traditionellen Kanon.

Die neue Werkstatistik ist hier kostenlos einsehbar. Mehr zu den Ergebnissen ab 14.8. im neuen Heft der DEUTSCHEN BÜHNE. Zuletzt ist das Themenheft „Datentheater“ der DEUTSCHEN BÜHNE erschienen, das zeigt, wie statistische Auswertungen die Entwicklungen der Theaterlandschaft beschreiben können.