Heft-Vorstellung in der COMEDIA Köln mit DdB-Redakteurin Martina Jacobi, Autor Sergej Gößner, künstlerischem Leiter Manuel Moser und der Chefredaktion Detlev Baur und Ulrike Kolter.

Folge 15: Junges Theater jetzt!

„Junges Theater jetzt!“ fordert unser aktueller Heft-Schwerpunkt als Plädoyer für eine verkannte Sparte. Dazu diskutieren in unserem Podcast „Schwerpunkt Theater“ Protagonisten der Szene im Kölner Kinder- und Jugendtheater Comedia. Beim Heft-Release am 29. Mai 2026 sprach der künstlerische Leiter Manuel Moser mit Autor und Regisseur Sergej Gößner und der DEUTSCHE-BÜHNE-Redaktion zum Stand des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland.

 

Ist das Kinderkram oder sogar das spannendere Theater? Mit dieser Frage eröffnet Host Thilo Sauer unsere neue Podcast-Folge. Wo früher das Puppentheater im Hinterzimmer und das Weihnachtsmärchen auf der Großen Bühne standen, gibt es heute Konzerte für Babys, Klassenzimmerstücke zu ernsten Stoffen und mutige Abende über digitale Welten. Anerkannt ist die Sparte längst. Trotzdem gerät sie bei Kürzungen zuerst unter Druck, obwohl sie ästhetisch wie inhaltlich Trendsetter ist.

Nach Release-Veranstaltungen in Leipzig und Berlin stellt die Redaktion der DEUTSCHEN BÜHNE nun erneut das aktuelle Heft an einem Theater vor, an dem der oder die Titelkünstler:in arbeitet. Nach Intendantin Miriam Tscholl am TdjW in Leipzig und Schriftstellerin Jenny Erpenbeck am Deutschen Theater in Berlin bestand das Podium diesmal aus Autor und Regisseur Sergej Gößner sowie dem künstlerischen Leiter der Kölner COMEDIA, Manuel Moser. Im Gespräch mit Redakteurin Martina Jacobi und Co-Chefredakteur Detlev Baur ging es um die aktuelle gesellschaftliche Verantwortung und ästhetische Vorbildfunktion des jungen Theaters.

Zum Auftakt erklärt Detlev Baur, warum der Schwerpunkt mehr sein sollte als eine Bestandsaufnahme und klar Partei ergreift. Das Kinder- und Jugendtheater sei grundsätzlich angekommen, müsse sich vor Politik und mancher Theaterleitung aber weiter erklären. Baur sieht es als Wegbereiter, weil spartenübergreifendes Arbeiten, Inklusion und Partizipation hier früher begonnen haben als anderswo. Zugleich warnt er davor, das Feld zu überfordern, solange die Mittel für Vermittlung nicht mitwachsen.

Für Manuel Moser, künstlerischer Leiter der COMEDIA in Köln, ist diese Arbeit zutiefst politisch. In seinem Haus sitze „wirklich die gesamte Gesellschaft“, weil das Publikum oft mit der Schule kommt und eben nicht aus freien Stücken. Daraus folgten zugleich die Verantwortung, für alle zu spielen, und der Mut, neue Wege zu gehen. Moser erzählt, wie aus dem Eingang der COMEDIA ein konsumfreier dritter Ort wurde.

Im Gespräch mit Martina Jacobi wird Sergej Gößner deutlicher. Für ihn entscheidet sich am Kinder- und Jugendtheater, wie relevant zeitgenössisches Theater überhaupt ist. Die Sparte müsse fast alles leisten und bekomme dafür am wenigsten Ressourcen. Das Budget einer einzigen großen Opernproduktion, rechnet er vor, würde etwa reichen, um für andere Bereiche eine ganze Spielzeit auszustatten.

Zum Abschluss spricht Host Thilo Sauer mit der 20-jährigen Marta, die ihren Bundesfreiwilligendienst am Theater der Jungen Welt in Leipzig absolviert, darüber, wie sie die Reaktionen des jungen Publikums heute einschätzt.

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