Folge 14: Neue Literatur fürs Theater
Foto: Diskussionsrunde zum Heft-Release der DIE DEUTSCHE BÜHNE Ausgabe Nr. 2 2026 im Rangfoyer des Deutschen Theaters in Berlin. V. l. n. r.: Dramaturg Johann Otten, Schriftstellerin Jenny Erpenbeck, Co-Chefredakteurin Ulrike Kolter und Co-Chefredakteur Detlev Baur. © Die Deutsche Bühne Text:Die Deutsche Bühne, am 23. April 2026
Die aktuelle Folge des Podcasts „Schwerpunkt Theater“ führt ins Deutsche Theater Berlin. Im Rangfoyer wurde am 19. April der Release unserer Heftausgabe 2/2026 zum Thema „Neue Literatur fürs Theater“ gefeiert. Schriftstellerin Jenny Erpenbeck diskutierte mit der Chefredaktion Ulrike Kolter und Detlev Baur sowie dem DT-Dramaturgen Johann Otten über Romane auf der Bühne.
Im Zentrum stand Erpenbecks Roman „Heimsuchung“, der inzwischen deutschlandweit Abiturstoff ist und in der aktuellen Spielzeit 2026/27 an zahlreichen Theatern Premiere feiert. Im Anschluss an die Veranstaltung war Alexander Eisenachs DT-Inszenierung von „Heimsuchung“ zu sehen. Begrüßt wurde die Runde von Intendantin Iris Laufenberg. Podcast-Host Thilo Sauer verbindet die Mitschnitte der sehr gut besuchten Diskussionsrunde mit weiteren Gesprächen zum Heftschwerpunkt.
Jenny Erpenbeck spricht darüber, wie sie Bearbeitungen ihrer Romane begleitet, warum sie bei Dramatisierungen Kürzungen oft für notwendig hält und weshalb es für sie interessant ist, wenn ein Text auch auf der Bühne in der dritten Person als Buch erkennbar bleibt. „Bei Dramatisierungen finde ich immer gut, viel Text wegzulassen“, sagt sie, und beschreibt damit eine Form der Verdichtung, die Literatur auf der Bühne nicht einfach illustrieren, sondern in eine eigene theatralische Sprache übersetzen will.
Gerade dass ein dramatisierter Roman seine Herkunft nicht verleugnet, sondern als Buch noch spürbar bleibt, versteht sie dabei als künstlerischen Reiz. Zugleich beschreibt sie die Eigenständigkeit des Mediums:
„Theater macht so seine eigenen Sachen.“
Johann Otten erläutert die Arbeit an der DT-Fassung von „Heimsuchung“ und beschreibt, warum die Berliner Inszenierung die sprachliche Distanz des Romans bewahrt, mit Überlagerungen arbeitet und Musik als zentrales Mittel nutzt, um Zeit und Gleichzeitigkeit erfahrbar zu machen.
Zudem spricht Thilo Sauer mit Redakteurin Martina Jacobi. Sie vergleicht mehrere Inszenierungen von „Heimsuchung“ und macht deutlich, wie unterschiedlich Theater mit den zahlreichen Figuren, Zeitebenen und Perspektivwechseln des Romans umgehen. Komponist Bernd Franke vertieft die musikalische Ebene und berichtet von seiner Oper „Coming Up for Air“ nach dem Roman von Sarah Leipciger an der Leipziger Oper, die drei Schicksale aus drei Jahrhunderten verknüpft, in denen Menschen im wörtlichen wie metaphorischen Sinn um Luft und Überleben ringen – und über die Frage, was einen literarischen Stoff für das Musiktheater interessant macht.
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