Wehmütig schluchzende Geigenklänge von größter Eindringlichkeit machen klar, dass die Welt des kleinen Momo sehr bewegt und vor allem exotisch, aber auch nicht so ganz einfach ist. Währenddessen hat Lorenz Seib angefangen, seine Bühne mit ihren Figuren aufzubauen. Die Wagen sieht man da, in denen der Zirkus immer weiter fährt, von Stadt zu Stadt. Und dann fängt Lorenz Seib an zu spielen und zu erzählen.
Den Zirkus dominiert die Überfigur von Momos Großvater, dem großen Hubertot. Er ist ein berühmter Clown. Und Momo soll später einmal seinen Platz einnehmen, wenn Hubertot zu alt ist. Aber Momo kann ihm einfach nichts recht machen. Er ist sich auch gar nicht sicher, ob er wirklich ein großer Clown werden will. Er schaut viel lieber der Akrobatin Bettina beim Klettern zu und will da mitmachen. Doch für seinen Großvater kommt so etwas nicht in Frage. Momo soll sofort aufhören, er könnte sich ja den Hals brechen. Doch er kann einfach nicht so stolpern und Menschen zum Lachen bringen wie sein Großvater. Der schickt ihn barsch weg, die Tiere füttern. Wenigstens das wird er doch wohl fertigbringen. Immer trauriger wird Momo deshalb, kauert sich geknickt in die Ecke. Die Zirkustiere kommen ihn trösten: „Wenn du wissen willst, wer du wirklich bist, schau‘ nicht dauernd auf deine Füße, schau‘ in die Höhe – schau‘ in die Sterne“, so machen sie ihm Mut. Und Momo klettert die lange gelbe Strickleiter am rechten Bühnenrand empor, immer höher und höher, schwingt sich am Trapez unter der Kuppel immer weiter und weiter.
Eine buntfarbige Melodie lebt diese Selbstentdeckung und -entfaltung Momos mit aus, Momo hat seine Bestimmung gefunden. Das muss dann auch der Großvater einsehen, als er dort oben wie ein Vogel durch die Luft fliegt, zu einer rhythmisch prägnanten Weise in schwerelosem Fluss. Lorenz Seib bewegt seine sehr einfachen und dadurch kindgerechten Figuren und Kulissen direkt und auch bewusst sichtbar mit der Hand, nicht an einem Gestänge. Nicht nur die Figuren, auch die Bilder „laufen“ so in seinem fesselnd gestalteten und erzählten Spiel. Er lässt den Bruch der Fiktion bewusst zu.
Dusapins Musik zeichnet dazu in einem frappierend transparenten kammermusikalischen Klangbild ein tönend bewegtes Panorama von großer harmonischer Komplexität und atmosphärischer Dichte. Lautmalerische Sequenzen lassen mit ihrer spezifischen Charakteristik an den „Karneval der Tiere“ denken in diesem spannenden Kinderspiel über die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
