Mit seinen Musikern, die erhöht außerhalb der Rotunde sitzen, breitet Komponist Harneit bei der Uraufführung auf der Probebühne 1 der Hamburgischen Staatsoper jenen subtil geknüpften Klangteppich aus, auf dem die sieben Sänger und der Chor sich bemühen, das riesige Textkonvolut in den Griff zu bekommen. Das gelingt Mezzosopranistin Gabriele Rossmanith als Dichterin ebenso vortrefflich wie Daniel Kluge als Faust und Jóhann Kristinsson als Mephisto, während auch Ida Aldrian als Marte Schwertlein, Hellen Kwan als Vogelscheuche sowie die anderen Sänger stimmlich fest im Sattel sitzen. Der Zuhörer jedoch ist mit der eilig vorbeirauschenden Textmenge, bei der keine musikalischen Verschnaufpausen vorgesehen sind, ebenso überfordert wie mit dessen zerfasernder Sinnhaftigkeit.
Harneit selbst mimt vom Pult aus den Regisseur Max Reinhardt, der gelegentlich ins Geschehen eingreift, Szenen wiederholen lässt und den Mephisto-Darsteller austauscht. Auch die Ankunft der Naziführer in der Hölle, bei der dem Publikum Schnittchen angeboten werden, gehört zu jenen kurzen launigen Einschüben, die den zweistündigen Abend als Ganzes leider auch nicht leichter verdaulich machen.
Was man am Ende erinnert: eine Autorin, die ihren Schuldkomplex bearbeitet, ein Gruppe Nazis, die den Teufel als Geschäftspartner unterschätzt und dafür bezahlen muss, ein silberner Gott Baal, der als lebendes Exponat in der Bühnenmitte irgendwie auch noch dazugehören will, und eine Musik, die daran scheitert, einen Text bändigen zu wollen, der wohl nicht ohne Grund so selten seinen Weg auf die Bühne findet.
