Dafür gibt es eine veritable musikalische Überraschung. Der chronisch überarbeitete, meist zu wenig probende Valery Gergiev sorgt mit den Wiener Philharmonikern für düsteren Glanz und starke Momente. Obwohl es mehrfach koordinationsmäßig scheppert und Gergiev kaum sängerfreundliche Einsätze gibt, entsteht doch ein großartiger Gesamtklang, reich an abgründiger Schönheit und messerscharfen Verzweiflungsmomenten. Noch überzeugender ist die Sängerriege. Luca Salsi gibt Simon Boccanegra vokal ideal, mit perfekter Diktion, kraftvoll fließenden Linien. Marina Rebeka (Amelia Grimaldi) erfreut mit zartestem Trauergesang und eleganten Spitzentönen (um ein wenig auf hohem Niveau zu mäkeln: Manchmal klingt es ein bisschen schrill). Und Charles Castronovo überzeugt als Gabriele Adorno. Dieser Adorno wird am Ende des Stücks der neue Doge, die passende Stimme hat er. Sensationell gelingt René Papes Rollendebüt als Fiesco. Zwar darf er dank Kriegenburg szenisch vorwiegend chargieren, dafür bietet er ein vokales Feuerwerk von Emotionen, dazu in perfektem Italienisch. Ein weiteres musikalisches Pfund ist die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor (Einstudierung Ernst Raffelsberger), die trotz szenischer Behinderung mächtig und präzise aufdreht.
Festspieldoge Markus Hinterhäuser wollte bei dieser Premiere (die übrigens völlig aus der heurigen Operndramaturgie rund ums Thema Mythos herausfällt) wohl auf Nummer sicher gehen. Warum auch nicht, es müssen ja nicht immer Regierevoluzzer mit Risikopotential auftreten. Aber Opernprofis sollten es schon sein.
