Knabe transferiert die Geschichte, die im Norwegen des 11. Jahrhunderts spielt, mit Gewalt in das Afrika der Gegenwart. Ein Township im Kongo (Bühne: Kaspar Zwimpfer, Kostüme: Eva Mareike Uhlig) ist der Schauplatz des Geschehens. Es gibt Söldnertruppen und UNO-Blauhelmsoldaten. Ständig wird irgendwo jemand gequält oder getötet. Auch durch das Parkett werden zwei Frauen geschleift. Knabe möchte aufrütteln und anklagen. Immer wieder werden in bewusst gesetzten Unterbrechungen Texte eingeblendet, die belehren und auch mal den Imperialismus mit dem Holocaust vergleichen. Dass sich Joshua Kohl als Huldas Blauhelm-Liebhaber in den Proben am Arm verletzte und in der Premiere bei den Faust-Kämpfen mit einer Armschiene agieren muss, entfaltet dann fast schon eine unfreiwillige Komik. Der Pseudorealismus kommt schon bald an Grenzen, da die Figuren zu Schattenrissen werden und jegliche Zwischentöne, von denen die Musik erzählt, in der Inszenierung verloren gehen.
Und wenn Morenike Fadayomi in der Titelpartie mitten im lyrischen Liebestaumel plötzlich hektisch und zunächst erfolglos an der Hose ihres Kollegen nestelt, kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die US-Amerikanerin bewältigt die vielfältigen darstellerischen Anforderungen der Titelpartie bis zum höhnischen Gelächter und Weinkrampf mit Bravour. Stimmlich kommt sie am Ende an ihre Grenzen, wenn ihr reicher dramatischer Sopran, der Hulda das notwendige Durchsetzungsvermögen gibt, flacher wird und kaum mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat. Joshua Kohl verbindet als Huldas Liebhaber Eiolf große Strahlkraft mit leuchtenden Farben. Dass er doch zu seiner Ex-Geliebten Swanhilde (klangschön: Irina Jae Eun Park) zurückgeht und damit Huldas Eifersucht lodern lässt, wird durch die Regie nicht schlüssig erzählt – wie überhaupt die Beziehungen zwischen den Figuren im Kampfgetöse brutal vernachlässigt werden. Anja Jung als Huldas Mutter, Juan Orozco als Huldas verhasster Bräutigam Gudleik, Jin Seok Lee als brutaler Stammesvater Aslak mit Schickimicki-Gattin Gudrun (stark: Katerina Hebelková) und Katharina Ruckgaber in der Rolle der Stieftochter Thordis überzeugen.
Was Tilman Knabe mit seiner radikalen Inszenierung sicherlich gelingt, ist, auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen – die afrikanische Sicht auf den Kolonialismus und die Verbrechen, die mit ihm verbunden waren und sind. Künstlerisch kann diese Regiearbeit jedoch nicht überzeugen. Man darf gespannt auf die nächste Inszenierung von César Francks Oper „Hulda“, die dank des Freiburger Theaters wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist.
