Die Musik, komponiert und getextet vom musikalischen Leiter, widmet sich weit weniger den wunden Untiefen der Personen, die sich suchen, kurz finden, schnell verlieren, sondern ebenfalls mehr der Anmut. Sie schrägt nichts an, sondern nutzt, ganz konzentriert auf Wilmington am Piano, den angenehmen Melodiefluss zwischen Bar-Jazz-Atmosphäre und Pop-Kunstlied. So singen – und tanzen – sich die Darsteller durch einen 75-minütigen Abend, der aber textlich nie in irgendwelche Sentimentalitäten abgleitet, sondern plötzlich und überraschend doch immer wieder hier und dort Kellertüren aufmacht zur seelischen Unterwelt der Protagonisten.
Immer dann nämlich, wenn es leiser wird und die Introspektion beginnt, die Paare sich nicht mehr zueinander hinbewegen oder in – von Daniel Morales Pérez temperamentvoll durchchoreografierten – Liebesdingen taumeln, bricht die Einsamkeit über sie herein: Eine große Dosis Melancholie umweht das Geschehen. Wilmington singt fast refrainhaft „What’s missing“ und die Figuren sind auf sich selbst zurückgeworfen und auf jene Muster, die das Misslingen des dauerhaften Miteinanders mit sich bringt und die sich durch ein Gegenüber ja eh nie auflösen lassen.
Carolin Waltsgott und Markus Krenek sind diese beiden Musterlieferanten. Die Figuren, die sie zeigen, sind von besagtem Charme durchsetzt, unterscheiden sich zwar nicht so präzise und scharf figuriert voneinander wie in mancher Schauspielversion, divergieren dennoch in Temperament und Status zueinander sinnfällig. Das Liebesduo kann manchmal sehr trist sein, oft erotisch, manchmal komisch, oft dominanzgeprägt, aber die Inszenierung ist nie beliebig. Sie entzaubert weniger die Figuren, bezaubert mehr das Publikum.
