Serebrennikov und Evgeny Kulagin, der seine Ideen in den Proben praktisch umsetzte, inszenieren dies mit einer Genauigkeit, die im Musiktheater höchst selten zu erleben ist. Alles ist so detailreich ausgeführt, dass man zweimal schauen müsste, um alles mitzubekommen. Nur wie kommt Serebrennikov am Ende aus der Geschichte heraus, dass er die Männer am Anfang hat sterben lassen? Dafür braucht er einen Kunstgriff. Zum Finale, wo die neuen Beziehungen mit Heiratsverträgen besiegelt werden, bevölkern Geister und Dämonen die verwandelte Bühne. Die Wette hat die Büchse der Pandora geöffnet, was herauskommt, verstört. Serebrennikov und Dirigent Cornelius Meister fügen hier die Musik aus „Don Giovanni“ ein, mit der dort der Geist des toten Komturs auftritt: Die Toten kommen zurück – die Welt ist aus den Fugen.
Hinter dieser starken und stark ausgeführten Idee tritt die Musik etwas zurück. Dirigent Meister lässt den Orchestergraben weit hochfahren und die Philharmonia Zürich mit alten Hörnern und Trompeten spielen, wählt rasche bis sehr rasche Tempi. Vielleicht auch weil die Bühne mehrere Meter hinter der Rampe erst beginnt und die zweistöckige Konstruktion akustisch schwierig sein könnte, wird oft lauter gesungen als nötig. Was überzeugt, bleibt mehr das Spiel denn die vokalen Feinheiten oder besondere Mozart-Stilsicherheit (abgesehen von Antoun und Nagy).
Dem Opernhaus brachte diese Premiere sehr viel Publicity. Hoffentlich nützt sie, dass die Produktion gesehen wird, dass ihre hochaktuellen Fragen zum Verhältnis von Frauen und Männer weiterdiskutiert werden. Und dass die Aufmerksamkeit auf Serebrennikovs Prozess bleibt, auch wenn die „Free Kirill“-T-Shirts des Schlussapplauses von der Bühne verschwunden sind.
